Meine Route: 850 km längs durch die spanischen Pyrenäen

Unterwegs habe ich meine jeweiligen Übernachtungsplätze mit einem farbigen Pinnöckel markiert.

Wenn Ihr auf das kleine weiße Rechteck rechts oben tippt, vergrößert sich die Karte. Verschieben könnt Ihr sie am Smartphone mit 2 Fingern. Weiter unten gibts noch das Höhenprofil.

Und hier noch das Höhenprofil.

Insgesamt sind das etwa 20.000 Höhenmeter. Ein bischen mehr als 1000 pro Tag 🙃. Der letzte kleine Huppel rechts ist der Col de Banyuls.

Die Anreise

Es geht los am Mittwoch 20. August 2025. Iris bringt mich morgens um 9.30 Uhr mit dem Auto zum Bahnhof nach Forbach in Frankreich.
Ich hätte auch direkt von zu Hause aus mit dem Zug starten können. Aber das hätte auch bedeutet: Sich auf 2 Züge der Deutschen Bahn zu verlassen….ich mag Risiko, bin aber nicht verrückt….😉

Von Forbach gehts mit Umstieg ab Metz per TGV nach Paris – Gare de l’Est. Dann mit dem vollbepackten Rad quer durch Paris (darauf freue ich mich besonders…) zum Gare de Montparnasse. Von dort mit TGV nach St. Jean de Luz am „atlantischen“ Fuß der Pyrenäen Ankunft 23.10 Uhr. Haltet alle Daumen!

Abschiedsfoto am Bahnhof Forbach. Leider etwas in Hektik, weil es einen Stau vor der Auffahrt St. Ingbert gab.🙂

So der Zug nach Metz ist erreicht. In Forbach war der Aufzug defekt. Musste alles einzeln zum Gleis hochschleppen. Als Entschädigung ist der Zug schön leer…..

Umsteigen in Metz. Im Bahnhof findet sich ein Denkmal für Jean Moulin, ein führender Kopf der Resistance. Er verstarb hier 1943 auf einem Gefangenen-Transport der Gestapo, nachdem er von Klaus Barby in Lyon gefoltert wurde.

Interessanterweise gibt es auf dem Dach des Gare de Montparnasse in Paris, wo ich heute Abend Richtung Pyrenäen abfahren, ein Jean-Moulin-Museum. Eventuell kann ich da am Nachmittag noch kurz reinschauen

327 km/h auf meiner FahrradNavi App. Absoluter Rekord 😀! TGV machts möglich.

Mittagspause in Paris. Am Bassin de la Vilette gibt’s einen netten Thai, wo ich ordentlich Nudelpower tanke….

Paris im Sommer….ich glaube, da gibt es in Saarbrücken mehr Franzosen 🙂. Alles sehr beschaulich hier.

Zum Radfahren traumhaft: Links eine Autospur, daneben DREI Radspuren 😯😯. Dann kommt rechts der Louvre….

Der Post-Olympia-Ballon glüht schonmal vor….hier ist dann doch etwas mehr Betrieb. Erst heute Abend steigt der Ballon wieder auf.

Leider ist das Wetter eher trübe. Kurz danach hats ordentlich geregnet. Bin ins Café geflüchtet.

Ankunft am Gare de Montparnasse….das ist so ziemlich die hässlichste Ecke, die ich bisher von Paris gesehen habe. Direkt davor steht die Tour de Montparnasse. 2 Bausünden direkt nebeneinander….

Auch hier: Punkt für Saarbrücken….für den schöneren (oder besser gesagt: weniger hässlichen) Bahnhof🙂🙂.

Der Ausblick nach draußen….hier muss ich jetzt noch fast 4 Stunden auf meinen Zug in den Süden warten. Viel Zeit zum bloggen👋👋😀

Das Rad ist gut verstaut! Das Schild ist echt genial 😀😀. Auf geht’s, Richtung Pyrenäen! Der Sitz neben mir ist leer und es gibt 5G-Netz. Bis Bordeaux wird nicht gehalten. Top!

Nachtrag: Naja ganz so top ging es dann leider nicht weiter. Nach Bordeaux hat sich der Zug dann nämlich über eine Stunde Verspätung eingehandelt…..und als ich dann um 00:30 in Saint Jean eintraf, hat es geschüttet wie aus Eimern. Ich kam pudelnass im Hotel an…..😏

Tag 1 Vom Atlantik in die Berge

Zu Beginn erstmal das Beweisfoto, dass ich heute wirklich am Atlantik gestartet bin!🙂

Das Foto habe ich auf der Hafenmole von Ciboure gemacht. Dem Nachbarort von Saint Jean. Dort war auch mein Hotel, ca. 1km vom Bahnhof entfernt. Als ich gestern Abend dort ankam hat es geschüttet wie aus Eimern. Typisch Baskenland eben…Unten mein Hotel und der Ausblick vom Badezimmer….

Da ich gestern erst gegen 1 Uhr Nacht im Hotel war, habe ich erstmal ausgeschlafen und bin erst gegen 11 Uhr gestartet. Vorher musste ich ja auch noch meine Taschen umpacken. Ich hatte für den Zugtransport den Inhalt von 4 Taschen in 2 Taschen und den Zeltsack gequetscht….

Der Hafen von Saint Jean de Luz.

Von dort habe ich erstmal einen Supermarkt angesteuert. Und gleich der nächste baskische Eimerguss….musste mir ein Dach zum einpacken suchen …

Die Wahl bei den Nudeln ist mir nicht schwergefallen….Diese hier scheinen für Radfahrer gemacht zu sein😀😀 …und Panzani klingt ja auch schwer nach Pantani….

Ansonsten zeigt sich das Baskenland so, wie ich es kenne: nämlich NASS! Ich war in 4 unterschiedlichen Urlauben im Sommer insgesamt etwa 30 Tage in dieser Gegend. Und ich kann mich an keinen einzigen erinnern, an dem es nicht geregnet hat. Ernsthaft!

Dafür gibt es Top-Radwege. Bei uns wird an sonem Weg erstmal 20 Jahre rumgeplant. Hier wird stattdessen einfach mal gebaut🙂.

Punktabzug gibt es hingegen wieder für diese unmöglichen Ortsnamen.…wer, um Himmelswillen, kann sich die merken? ..etxxeber.. tzurri..ascai usw….

Nach 46 eher nassen Kilometern bin ich auf einen Zeltplatz gefahren. Der ist ziemlich Rummenigge , nein liebe Autokorrektur: rummelig! und wenn es aufhört zu regen kann ich auch mal was kochen….und könnte für euch ein Bild vom Zelt machen….

Gemütlich ist anders….aber das war der einzige freie Fleck auf dem ganzen Campingplatz…😒. Morgen will ich bitte wild zelten….

Tag 2 Von Spanien zurück nach Frankreich

Erstmal sorry, dass ich erst am Tag 4 dazu komme, etwas zu Tag 2 zu schreiben. Die Baskischen Berge sind ein einziges Funkloch. Naja, ich habe mir diese Gegend aber auch gerade ausgesucht, weil sie so menschenleer ist. Also mein Blog war für mich nicht erreichbar. Heute bin ich extra noch auf einen Pass hochgefahren, damit ich Netz habe und berichten kann…😀

Also zurück zu Tag 2: Nach einer eher kurzen Nacht auf dem rummeligen Zeltplatz in Spanien ging es über den ersten richtigen Pass wieder zurück nach Frankreich.

Der Pass heisst Puerto de Izpegi….jedenfalls in meiner Karte. Auf dem Passchild stand irgendwas anderes, vermutlich auf baskisch….

Die Straße schlängelte sich etwa 400 m toll den Berg hoch. Ich mag solche Serpentinen, weil man da so schön sieht, was man schon geschafft hat. Hinter dem Pass sah es dann so erstmals richtig nach Gebirge aus.

Auf dem Bild ist zufällig auch das einzige Wolkenloch des Tages zu sehen. Der Rest war trübe, aber kein Regen. Immerhin….Der Pass ist die Lücke oben rechts.

Im französischen Tal erledigte ich noch ein paar Einkäufe in St. Etienne Baigorry. Das letzte Mal, dass ich mich beim Einkaufen verständigen kann….Spanisch ist nicht so mein Ding….☺️

Von dort ging es dann eine kleine Straße hoch zurück nach Spanien. Sie führten mich 21 km recht einsam auf über 1.000 Meter. Damit habe ich dann so ungefähr meine Reisehöhe für die Pyrenäenquerung erreicht.

Als ich diese Straße bei meiner Planung im Dezember 24 auf der Karte entdeckt hatte, war mir klar: Die muss ich fahren. Und habe die Route dann danach ausgerichtet. Und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht. Schön einsam, in 3 Stunden begegneten mir 3 Autos….und diese 3 drollig Gesellen. Sie sind etwa 3 km die ganze Zeit vor mir hergehoppelt.

Unten gab es noch ein paar Bauernhöfe. Und einer der Bauern hat offensichtlich echten Sinn für Ästhetik bewiesen: Seine SilageRollen sind wirklich extrem exakt im leichten Bogen ausgerichtet…

Echte Land(wirt)-Art….😀

Kurz vor der spanischen Grenze gab es dann diesen Top-Zeltplatz. Ich hatte ihn während der Planung schon im GoogleStreetview entdeckt und vorgemerkt. Kein Vergleich zu meiner letzten Nacht auf der Wiese vor dem Campingrestaurant…..

Es gab sogar einen Wasserhahn (habe mich ausgiebig gereinigt😀) und am Abend kam noch ein Wanderer, der ebenfalls in der Nähe sein Zelt aufschlug. Es war ein Franzose, der dasselbe Ziel hat wie ich: Banyuls am Mittelmeer. Er will die Strecke in 40 Tagen bewältigen….Es war eine ruhige Nacht.

Tag 3: Etwas zu viel Schotter

Von meinem Top-Zeltplatz ging es dann über die spanischen Grenze. Bis dahin waren noch 200 Höhenmeter zum Col de Lindus auf 1.200 m Höhe zu klettern. Die Grenze ist eher unscheinbar und nur für Kühe nicht zu überwinden. Diese Cattle-Grids (keine Ahnung, wie die auf deutsch heißen🫢) sind aber für schwer bepackt Radler auch nicht ohne. Ich habe vorsichtig rübergeschoben.

Auf der spanischen Seite kommt dann bald Roncesvalles. Das ist eine große Pilgerherberge auf dem Weg nach Santiago de Compostella. Und irgendwas muss das mit der Rolandssage zu tun haben. Ich erinnere mich nur schwach. Muss ich nochmal nachschlagen (geht aber ohne Netz gerade nicht)….

Ich wurde auch ständig gefragt, ab ich den “ Camino“ (also den Weg nach Compostella mache….Meine Antwort: „No, de Atlantico a Mediterraneo“….mehr gibt mein Spanisch nicht her….vielleicht ist das auch gar kein Spanisch?☺️

Insgesamt war meine Routenführung heute schon sehr speziell. Da ich ja möglichst dicht am Hauptkamm bleiben will, hatte ich mir auf der Karte kleine Sträßchen ausgewählt, die sich dann in der Realität oft als Schotterwege (Neudeutsch: Gravel) entpuppten. Die sind zwar schön, aber mit den fast 30 kg Gepäck schon echt anstrengend.

Immerhin trifft man so auch auf ein paar einsame Pferde beim Grasen.

Und das Blödeste: Ich habe schon seit 2 Tagen nur sehr sporadisch eine Datenverbindung fürs Handy. Und ohne Netz kann ich abends nichts berichten….

So gravele ich mich also stundenlang durch die netzlose Landschaft und komme nur langsam voran. Gegen 18 Uhr erreiche ich dann einen in der Planung schon lange vorab gecheckten Picnicplatz, wo ich übernachte.

Es gibt dort auch einen Grill. Und auf dem Aushang am Zaun gibt es ein Hinweis auf die „Rules of use of barbecues„. DUMM nur, daß man dafür einen QR-Code scannen soll….Ich wünsche viel Erfolg, wo es hier in der Einsamkeit doch kein Handynetz gibt🤔🙂….

Aber ich will ohnehin nicht grillen, sondern koche mir eine leckere Nudelsuppe (mit den Pantani-Nudeln von Tag 1). Hier dünsten gerade Karotten und Zwiebel als Suppengrundlage.

Vor dem Schlafengehen kommt alles Essbare in die Bäume. Weniger wegen der Pyrenäen-Bären oder Wölfe, sonder wegen der Wildschweine lasse ich nichts Essbares im Zelt. Auf Korsika habe ich da mal schlechte Erfahrungen gemacht…..

Ich habe wohl noch keine Nacht verbracht, die ruhiger war als diese. Im Umkreis von 20km gibt’s keinen Ort. Schon auch etwas unheimlich….

Tag 4: Auf der Suche nach dem Internet

Hier in der Einsamkeit hatte ich also eine extrem ruhige Nacht verbracht. Aber das fehlende Internet war schon etwas nervig….moderne Zeiten. Für den heutigen Abend galt die Devise: Ich fahre soweit, bis ich wieder in diesem verdammten Netz bin 😀. Vorher wird das Zelt nicht aufgeschlagen. Also, auf geht’s!

Zunächst ging es noch 300 Meter auf meiner GravelRoad nach oben. Dabei kam ich an diesem wunderschönen Wegweiser vorbei. Noch schöner als das Objekt selbst, war allerdings der Zielort: Muxumurru! Welch ein hübsches Wort, da will man doch unbedingt mal hin…..Ich vermute, das ist die Hauptstadt eines verbündeten Volkes vom Kleinen König Kalle Wirsch. Vermutlich sind die Bewohner ebenfalls mit den Murken und mit Zoppo Trump (!!🙃) verfeindet. Turtulla, der Muromesch und der berühmte Feuerwurm lassen grüßen….

Nach diesem Ausflug ins Reich der Erdmännchen gings weiter bergauf, aber dann war endlich eine feste Straße erreicht. Und es wurde auch erstmals so richtig hochgebirgig.

Unterwegs sind mir unglaublich viele Radfahrer und Jogger begegnet. Die Spanier sind echt sportlich. Super. Kein Wunder, dass die in sooo vielen Sportarten Weltmeister sind.

Mittagspause an einer kühlen Quelle. Das Wetter wird wärmer 😀.

Und Kaffepause auf einem Pass auf der Grenze zwischen Navarra und Aragon. ABER: Internet hatte ich immer noch nicht. Ich verschmähte selbst den tollsten Zeltplatz an einem hübschen Bach, weil es dort kein Netz gab….Ich fuhr deshalb nach 18 Uhr noch 300 Höhenmeter auf einen Pass hoch, um endlich diesen Blog fortsetzen zu können.

Der Lohn: Kurz nach 18 Uhr setzt ein Gewitter ein. Ich flüchte mich zunächst in diesen Tunnel (wer entdeckt mein Rad?). Doch es hört nicht auf. Aus meiner Vorplanung weiß ich aber, dass oben auf dem Pass eine Schutzhütte steht. Also egal….ab durch den Monsun😀.

Oben angekommen bin ich nass bis auf die Knochen, aber es scheint jetzt wieder die Sonne, sodass ich die Hütte nicht brauche. UND: Es gibt INTERNET…!

Schnell was gekocht an diesem steinernen Picnicplatz….

Und dann wird Bericht getippt….😀

Der Platz sieht idyllischer aus, als er ist. Links ist ein riesiger Parkplatz auf dem sich noch ein Wohnmobil breit macht….und morgens um 7 kamen Straßenarbeiter mit lauten Motorsensen vorbei….😀

Tag 5: Auf breiten, leeren Straßen

Ich schulde Euch noch ein Foto von meinem gestrigen Abendmahl….Würstchen mit Kartoffelbrei und ganz viel Restkäse. Nahrhaft…..zum Nachtisch veganen Joghurt. Aus Versehen gekauft, aber lecker, mit komischen Klümpchen.

Nachdem mich die Sensenmänner geweckt hatten, gings rasch los. Alles gepackt….die Schuhe sind von gestern natürlich noch pitschpatsche nass. Den Rest konnte ich gegen trockene Sachen wechseln.

…..und dann gings erstmal 15 km bergab. Mein heutiges Ziel ist Jaca. Das ist die größte Stadt, die ich durchquere, und jene, die am weitesten vom Pyrenäenkamm entfernt ist.

Die Straßen hier sind oft auffällig breit und gut ausgebaut. Dabei kommt gerade mal alle 10 Minuten ein Auto vorbei. Wenn überhaupt. Gefällt mir nicht so. Ich habe lieber kleine gewundene Bergsträßchen. Hier hat man ständig das Gefühl, man fährt von der Größe her auf einer deutschen Bundesstraße ….mir reichen 2 m Asphalt, ohne Markierungen und Leitplanken….

Schon besser😀😀! Das sind meine Straßen. Auf der ging es den heutigen Pass hinauf. Ja, richtig gelesen: Heute nur ein einziger Pass mit nur knapp 500 Höhenmeter 😪

Oben auf der Passhöhe steht diese interessante Schutzhütte. Den Schatten nutze ich zum Mittagspicnic

Das Schild ist ausgesprochen hübsch, aber es verspricht ein wenig viel. So „magisch‚ ist das Bergdörfchen dann auch nicht…

Erinnert mich vom Baustil an die Auvergne. Jedenfalls schon ganz anders als im Baskenland.

Ja, ein paar Berge waren natürlich auch zu sehen….

An denen kann ich selbstverständlich nicht vorbeiradeln🙂. Der Blick in die andere Richtung zeigt, wie einsam das hier ist. Obwohl Jaca nur noch 7 km entfernt ist.

Es ist so wenig Verkehr, dass ich mich sogar dabei erwische, entgenkommende Motoradfahrer zu grüßen. Soweit bin ich schon🙃

Dieser Bande wollte ich beibringen, die La-Ola-Welle zu machen, wenn ich an ihnen vorbeifahre. Sollte für spanische Hühner ja kein Problem sein….naja die Aufstellung in Linie hat schonmal ganz gut geklappt. Wir üben weiter 😀. Obwohl, die Welle stammt ja aus Mexiko 🤔…Dann sind die Hühner natürlich entschuldigt.

Nach dem Einkaufen in Jaca geht es für heute Nacht auf diesen kleinen, sympathischen Campingplatz. Ruhig, alles topp gepflegt mit viel Liebe zum Detail. Ich kann sogar meine Esssachen in den Kühlschrank legen, super. Grünen Rasen darf man hier natürlich nicht erwarten.

Heute ist dann mal Waschtag. Das gilt sowohl für die ‚Verpackung“ (siehe Foto) als auch für den Inhalt (nicht im Bild)….🙂👋👋

Tag 6: Auf breiten vollen Straßen

Das ist der Blick von meinem Campingplatz bei Jaca Richtung Pyrenäen. Der Stapel Heuballen wurde bis 12 Uhr Nachts aufgestapelt….die nächsten Tage ist Regen angesagt….Ich bin erst gegen 11 Uhr aufgebrochen, weil ich noch etwas Arbeit zu erledigen hatte. Die nette Kollegin, der ich die bearbeitete Datei zugesandt habe, arbeitet lustigerweise von Madrid aus. Da hatte es die Mail nicht so weit🙂.

Woher wussten die, dass ich hier vorbeikomme? 😀 Ansonsten ist die Strecke heute nicht so ganz toll. Ich fahre ca 20 km am Fuß des Gebirges entlang. Ich musste soweit nach Süden ausweichen, weil es in den Tälern weiter oben keine Querverbindungen in Richtung Osten gibt. Die Gegend ist karg und abgeerntet, steppenartig. Immerhin begleit mich eine nette Spanierin für 15 Minuten auf ihrem Sportrad. Sie ist 3fache Mutter von kleinen Kindern und diese mittägliche Stunde Auszeit nimmt sie sich täglich. Dafür darf ihr Mann morgens radeln….🙂. Wie schon gesagt: Echt sportlich die Spanier! Sie hat mich auf Englisch angesprochen und ich fand es wirklich schön etwas plaudern zu können.

Hinter Sabignanigo wird es dann ganz schauerlich zu fahren. Erst musste ich durch diese gigantische Autobahnbaustelle und dann noch 15 km auf einer breiten und vollen Nationalstraße Richtung Col de Pourtalet den Grenzübergang nach Frankreich. Werner und ich sind diese Straße 1987 auf dem Weg nach Gibraltar runtergefahren. Da war das alles noch recht beschaulich 😃.

In Sabignanigo habe ich 6 Eier in dieser hübschen Box gekauft….Vermutlich sind die von meiner HühnerTruppe vom Vortag😀. 4 kommen in die Pfanne mit Schinkenwürfel. 2 werden hartgekocht fürs Picknick….

Gegen 18.30 beginnt es gefährlich zu donnern und zu blitzen. Auf der 12 km langen Auffahrt zum Col de Cotefablo ist das hier der einzig brauchbare Zeltplatz etwas abseits der Straße unterhalb eines Feldwegs. Arg schräg, aber das kann man mit den leeren Packtaschen gut ausgleichen. Die Trockenmauer ist recht beeindruckend. Die Eier habe ich gerade noch draußen gebraten bekommen…essen musste ich wegen Regen im Zelt.

Die Nacht war ruhig. Allerdings hat sich irgendein gefährliches Raubtier 🙂 die Verpackung der Schinkenwürfel unter den Nagel gerissen. Als ich sie am Morgen in meinen Müllbeutel stecken wollte, war sie nirgends mehr zu finden.

Tag 7: Regengüsse und eine strenge Rüge

Heute Morgen musste ich erstmal alles Gepäck einzeln hoch zum Feldweg tragen. Auf dem hellen Fleck auf der schrägen Wiese unten stand mein Zelt….der Rest ist vom nächtlichen Regen ordentlich feucht….Und der Regen sollte mir heute treu bleiben….

Nach 3 km war der Col erreicht. Ein 700 m langer Tunnel erspart die letzten 150 Höhenmeter….aber es fehlt natürlich der „Gipfelblick“ sowie das Gipfelgefühl. Angesichts des miesen Wetters nehme ich das dankend in Kauf🙂. Allerdings mit dem Rad durch einen Tunnel….puh, jedes kleine Auto schallert wie ein dicker LKW. Kein schönes Gefühl. Da hilft nur Treten, Treten, Treten. Schnell durch.

Am anderen Ende des Tunnels ist das Wetter leider nicht besser😒. Achso: Was ich noch sagen wollte: Falls Ihr…..

….habt, könnt ihr die mir gerne über die Kommentarfunktion stellen😃.

Nach dem Ort „Fragen“ ging es gleich weiter nach Broto. Auch so ein hübscher Name…..Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, hier unbedingt ein Brot zu kaufen….aber ich hatte noch genug. Also kaufte ich nur Apfelsaft und geriebene Karotten im Glas.🙂

Foto in Broto. Zum Glück erwischte mich dieser Guss nicht auf freier Strecke. Da gab es dann aber auch noch ordentlich Regen, sodass ich die 12 km Auffahrt zum nächsten Pass nicht picknicken konnte. Erst ganz oben nach 600 Höhenmeter gab es dann einen kleinen Unterstand.

Der Pass war nichts besonderes, aber bergab ging es zur Schlucht von Anisclo. Und die ist echt eine Schau.

Leider durfte ich die, Straße runter durch die Schlucht nicht nehmen: Einbahnstraße 🙂. (Das wusste ich aber schon). In meiner Richtung ging es wieder 200 m den Berg hoch…Und dort fand ich dann auch meinen Zeltplatz.

Traumhaft schön. Doch kaum stand das Zelt, kam ein strenger Offizieller (Förster? Ranger?….) und meinte barsch, erst Spanisch dann Englisch: Hier dürfe ich nicht Zelten. Verboten….Ich befürchtete echt, dass er mich mein Zelt wieder abbauen lässt. Der meinte es offensichtlich ernst…Ich stellte um auf Jammermodus: Mieses Wetter, alles nass, keine Kraft mehr, alter Mann…“OK, Sie können bleiben, aber ich nehme Ihre Personalien auf, melde es meinen Vorgesetzten und spätestens um 8 Uhr morgens sind Sie verschwunden!“ Uff, da bin ich mit einem blauen Auge davongekommen. Seit ich 1987 in Madrid am Bahnof verhaftet wurde, weiß ich, dass mit spanischen Ordnungshüter nicht zu spaßen ist. Es ist ja auch OK, aber ich wusste das ehrlich nicht. Und ich hoffe, dass er mit den etlichen Wohnmobilen, die hier rumfahren, auch so streng umspringt….

Tag 8: Ein Gewitter zum Fürchten

Es ist schon erstaunlich, was moderne Zeltstangen so aushalten: Jedenfalls wurde ich in der Nacht gegen 12 geweckt, weil ein fürchterlichen Sturm das Zelt so eindrückte, dass mir die Bogenstange gegen den Kopf schlug. Dass die nicht gebrochen war, fast unglaublich. Dem Sturm folgte ein Gewitter, wie ich es noch nie erlebt habe. Peitschender Wind, alle 2 Sekunden so grelle Blitze, dass mir die Augen weh taten. Und dann von oben noch Wasser, Wasser, Wasser….In der Apsis bildete sich schon ein kleiner Sumpf. Ich musste raus, um ein paar Abflußrinnen zu graben. Eine sieht man noch auf dem obigen Bild. Und der bedrohlich nahe Tümpel war gestern auch noch nicht da….In den Bergen muss man damit rechnen. Immerhin war ich 1300 m hoch.

Alles war beim Zusammenpassen am Morgen noch recht feucht und klamm. Aber es musste ja weiter gehen…

Auf der Abfahrt bot sich mir dieser tolle Blick. Leider war der gigantische Berg (Pena Montanesa) im Gegenlicht.

Nach jeder Abfahrt folgt ein Anstieg. Und heute ging es hoch zum höchsten Punkt meiner Tour: Die Porta de Sahun auf 2000 Meter. Diesen netten „Supermarkt“ hatte ich mir bei der Planung schon vorgemerkt. So viele Einkaufsmöglichkeiten gibt es hier oben nämlich nicht.

Winzig, aber er hatte alles, was ich benötigte. Sogar ein Croissant fürs morgige Frühstück. Und für den sofortigen Verzehr eine kalte Cola und eine Banane. 😀

Die Strecke wurde jetzt echt hochgebirgig.

Und, oh Schreck, mitten in einem unbeleuchteten Tunnel ist mir die Kette abgesprungen. Im Tunnel stieg die Straße auch noch fast 8 % an. Und er war nur einspurig. Ich hasse solche Tunnel…

Zum Glück gab es bald eine Ausweichstelle zu der ich schieben konnte. Hier habe ich die Kette dann in Ruhe wieder flott bekommen. Dazu musste allerdings das gesamte Gepäck runter. Ich war froh, als die Tunnelserie (es gab 5 in Folge) endlich vorbei war….

Die letzten 900 Höhenmeter zur Porta de Sahun waren nur noch eine GravelRoad. Das hatte ich bei der Planung zunächst übersehen. Und als ich es dann erfahren habe, hätte ich fast die halbe Route ändern müssen…also blieb der Weg im Programm.

Aber es fuhr sich besser als gedacht. Hier sind die ersten 200 Höhenmeter geschafft. Man muss halt wirklich bewusst langsam fahren, um Kraft für die Partien zu sparen, wo es rutschig oder extrem steil wird. Und im Training bin ich ja jetzt….🙂

Die letzten 350 Höhenmeter sparte ich mir für morgen auf. Mein Zeltplatz hatte etwas Heidimässiges: So wie man sich die Bergwelt vorstellt: Hohe Berge, dunkle Tannen (OK, in diesem Fall waren es Kiefern…🙂) und grüne Wiesen im Sonnenschein…und direkt neben dem Zelt plätscherte ein Bächlein. Und das Beste: Niemand kam und wollte mir das Zelten verbieten….Etwas Angst hatte ich nur, dass die hier weidenden Kühe über meine Zeltschnüre stolpern…aber es ging alles gut….

Tag 9: Am höchsten Punkt und ein Vuelta-Stopp

In meinem „Heidiland“ habe ich prächtig geschlafen. Rings um das Zelt blühten sogar schon die Herbstzeitlosen…Etwas früh? Oder?

Heute bin ich erst 11.15 Uhr losgefahren. Am Rad war einiges zu reparieren….u. a. die Gangschaltung neu einstellen, weil die Kette nicht nur im Tunnel absprang…..

Die Straße gravelte sich weiter nach oben….hier allerdings eine eher flacher Stelle….normal waren so 6 bis 8 %. Aber es hat Spaß gemacht, dieses konzentrierte Fahren, immer auf der Suche nach der Ideallinie. Also dort, wo am wenigsten grobe Steine liegen und es am besten rollt.

Zwei sehr wichtige Energiequellen🙂….Pro 100 Höhenmeter braucht man 10 Gummibärchen….So meine Erfahrung😀.

Und hier bin ich dann endlich oben am höchsten Punkt meiner Tour angekommen. Porta de Sahun 2000 m. Tolle Aussicht in alle Richtungen.

An der Picnicstelle war es leider etwas windig. Mittagessen gab es etwas unterhalb im Gras…Zufällig liegt der höchste Punkt auch auf Streckenkilometer 400 – also habe ich etwa die Hälfte geschafft!

Auch die Abfahrt nach Castejon de Sos war natürlich Gravel. In der Bildmitte ist etwa das heutige Ziel der Vuelta d’Espagna zu sehen. Eine Bergankunft in irgendeinem Skigebiet. Bereits oben am Pass hatten mir 2 sehr freundliche spanischen Familien erklärt, dass wegen des Radrennens meine geplante Straße für ein paar Stunden gesperrt ist….So ein Zufall, fährt man 1x nach Spanien und trifft ausgerechnet auf dieses Radrennen…

Unten angekommen, hockte ich mich also in die Böschung, trank meinen täglichen Kaffee, aß kraftspendende Kekse…und schwupps, waren die Führenden schon an mir vorbeigerast. Ich habe gerade noch ein Foto von der Spitze des Pelotons machen können. Das kam ca. 2 Minuten danach….

Auch die Mannschaftswagen brausen mit Karacho vorbei. Was mir auffiel: Im ganzen Ort wimmelte es von Leuten mit Palästina-Fahnen. Auch auf der Tourstrecke waren die aufgemalt. Ich fand es deplatziert…

Die Vuelta hatte mich etwa 2 Stunden aufgehalten. Ich bin die Strecke genau in die Gegenrichtung gefahren. Überall waren noch die Rowdies dabei, die Reklame abzubauen. Jedenfalls kam ich erst gegen 20 Uhr (und einem abendlichen Gewitterguss) an meinen anvisierten Zeltplatz (eine Grillhütte mit Picnictischen und Quelle). Der war sehr ruhig, ich musste lediglich ein paar neugierige Wildschweine vertreiben. Allerdings lag der Patz mitten in der Wallachei – was mir morgen echte Probleme bereiten sollte ….sorry für den Cliffhanger😀 (aber nichts Schlimmes….)

Tag 10: Holpriger geht’s nicht

Das hier war mein Zeltplatz in der Wallachei von letzter Nacht. Und zunächst war mir gar nicht klar, dass der Weg im Bild tatsächlich die Fortsetzung meiner Route ist. Diese hatte ich ja größtenteils im November/Dezember 2024 geplant. Da hat man nach 10 Monaten nicht mehr alles präsent, wobei ich mir von wichtigen Punkten als Gedächtnisstütze Fotos abspeichere, die ich meist von GoogleStreetview downloade.

Aber das war wirklich mein Weg! Und er wurde immer schlechter. Schotter ist OK, aber Geröll muss es dann nicht gerade sein….Für 8 km brauchte ich geschlagene 3 Stunden….Ich konnte die ersten 3 km bergauf kaum fahren und bergrunter war es ein einziges Gehoppel. Mein Rad tat mir echt leid….aber es hat alles ausgehalten. Das hatte ich also davon, dass ich unbedingt zu diesem einsamen Picnicplatz wollte.

Hübsch war die Gegend ja schon….nur eben ziemlich weglos😀. Vor allem vertraute ich jetz meiner eigenen Planung nicht mehr so recht…was, wenn es solche Strecken noch öfter gibt? Mal schauen….Übrigens: Ebenfalls auf dem Bild sind die hiesigen, riesigenBuchsbäume. Bis zu 5 m hoch und völlig frei vom Zünsler. Hier würden die Biester wirklich was zu futtern finden. Warum vergehen die sich dann an unseren MiniBuchsbäumen im Garten🙂?

Gottseisank, irgendwann war wieder eine feste Straße erreicht. Sie war wunderschön und führte tatsächlich nach…

….ich habe mich gleich mal auf die Suche nach der Ponderosa-Ranch gemacht. Vergeblich 🙂

Kurz vor Bonanza hatte ich mir diesen Picnicplatz in meinem Roadbook abgespeichert. Er war unglaublich bequem. Nicht wie sonst bei uns üblich, schnöde Bänke, sondern mit einer echten Rückenlehne….Hier konnte man sich richtig hinflätzen.

Hinter Bonanza begann dann auch schon meine letzte Provinz: Katalonien. Ich hoffe, dass ich nur in Aragon auf der schwarzen Liste wegen Wildcamping stehe…hier kann ich mich also wieder frei bewegen😀

Wegen der morgendlichen Verzögerung aufgrund der Hoppelstrecke verzichtete ich auf kleinere Straßen und schaffte so doch noch mein Pensum von etwa 50 km pro Tag. Auch mein heutiger Übernachtungsplatz im Bild oben liegt an einer größeren Straße. Aber so ein Tisch ist einfach praktisch. In meinem Alter will man nicht mehr alles vor dem Zelt auf dem Boden sitzend erledigen…schließlich werde ich am nächsten Tag 64 Jahre alt🙂.

Tag 11: Geburtstag mit Wechselwetter

Die Sachen sind gepackt. Heute ist mein Geburtstag. Trotzdem – oder gerade deshalb – wird natürlich geradelt. Das Wetter am Morgen ist top. Sonne, nicht zu warm.

Mein kleines allmorgendliches „Badezimmer“ auf dem Gepäckträger 🙂….

Durch kleine verschlafene Dörfchen geht es voran. So sehen die Dörfer hier fast alle aus. Sehr aufgeräumt, sauber und ziemlich verschlafen🙂.

Zur Feier des Tages hat hier sogar jemand meine Lieblingsblumen an meine Route gepflanzt🙂: Die Wegwarte, auf spanisch könnte sie Guardia Camino heißen, was ich aber nicht glaube. Schnell nachgeschaut: Sie heißt La Radicheta….was immer das heißen mag. Klingt eher nach Radieschen. Guardia Camino find ich besser….

Kurz vor dem ersten der beiden Tagespässe dieser malerische Karst-See. Wenn nur nicht immer die blöden Leitplanken im Bild wären🙂. Es gibt hier fast keine Straßen ohne Leitplanken…Aber andernfalls hätte ich auch nichts, um das Rad anzulehnen…

Immer wieder gibt es hübsche kühle Brunnen. Die Wasserversorgung hier ist wirklich 1A! Das blaue Tuch ist meine Klimaanlage…ins Wasser getaucht, kurz auswringen und dann um den Hals. Herrlich kühl.😅

Auch der 2. Anstieg des Tages beginnt vielversprechend. Ein kleines einsames Sträßchen, das mich 21 km bergauf auf etwa 1500 Meter führen wird. Ein echtes Geburtstagsgeschenk🙂.

Allerdings sieht man unten im Tal schon die ersten Regenwolken aufziehen. Es donnert und blitzt auch schon ganz ordentlich…

Und schließlich ist der Regen auch bei mir angelangt. Gerade als ich mein kleines, bescheidenes Geburtstagskaffeetrinken beendet habe…

Hinzu kommt, dass die letzten 4 km des Weges wiedermal „Gravel“ sind. Das habe ich zwar bewusst in Kauf genommen, aber bei Regen war der Weg kaum zu fahren. Es hieß: Schieben.

Trotzdem hatte ich mich auf einen hübschen Zeltplatz oben am Pass gefreut. Schnell die nassen Sachen wechseln und sich gemütlich in den trocken, warmen Schlafsack kuscheln….So dachte ich mir das. Doch oben fand sich kaum eine gerade Stelle, und es wimmelt von Kühen, die mir garantiert ins Zelt gestolpert wären. Doof. Meinen Geburtstagszeltplatz hatte ich mir anders vorgestellt…Also fuhr ich ein paar Kilometer runter, bis ich dann kurz vorm Dunkelwerden und vor dem Verzweifeln/Verhungern auf irgendeiner Wiese am Wegesrand noch schnell das Zelt aufbaute. Irgendwann in der Nacht hörte dann auch der Regen auf….

Und auch auf diesem Wege nocheinmal ein herzliches Dankeschön für all eure lieben Geburtstagswünsche!!

Tag 12: Wassernöte und das Essen geht zur Neige

Nein, ich bin nicht in der Toskana gelandet…. das hier ist die Wiese auf etwa 1600 m Höhe, auf der ich vergangene Nacht in letzter Verzweiflung mein Zelt aufgebaut habe. Naja, so schlecht ist die Aussicht nicht. Vor allem mit dem Restnebel des nächtlichen Gewitters sehr malerisch…🙂

Und das Beste: Vor mir liegt eine Abfahrt von 30 Kilometern Länge! Selbst für einen Bergauf-Liebhaber wie mich verspricht das ein echter Leckerbissen zu werden.

Tatsächlich werde ich nicht enttäuscht. Unterwegs eröffnen sich immer wieder atemberaubende Ausblicke und es geht durch diverse Schluchten.

Unten muss ich mich von diesem Wahnsinnsritt, um nicht zu sagen Walkürenritt🙂, erstmal erholen….

Mein Zeltplatz lag etwa 4 km vor dem Ort Taus…

Allerdings habe ich mittlerweile ein echtes Essensproblem. In meiner Roadmap hatte ich mir während der Planung extra den letzten Laden für die folgenden 130 km eingetragen.

Dumm ist dann nur, wenn man unterwegs den entsprechenden Infopunkt n der Map nicht anklickt….Also bin ich an diesem Laden gestern achtlos vorbeigefahren. Er lag auch nicht direkt auf der Route, sodass ich nicht automatisch dran vorbeikam. Ich hätte ihn extra ansteuern müssen.

Somit fällt das Mittagessen etwas kärglich aus. Im Bild mein letztes Stück Brot für die nächsten 2 Tage🥴. Außerdem fehlen Kekse, Schokolade, Croissants, Apfelsaft, Trockenfrüchte…kurzum alles, was eine Radtour erst so richtig zum Vergnügen macht. Andererseits: Verhungern werde ich sicher nicht. Zur Not koche ich mir Mittags Nudelsuppe😀.

Dabei könnte ich ein paar Extrakalorien durchaus vertragen. Denn nach meiner 30 km Abfahrt folgt gleich der nächste 21 km Anstieg.

Und zwar so einer, wie ich ihn liebe… Mit ordentlich Serpentinen. OK, es sind nicht die unglaublichen 46 Schleifen, wie am Tende-Pass, den ich vor fast genau einem Jahr gefahren bin….aber immerhin 17.

Hier sieht man die schönen Kurven auch in echt im Hang liegen….Eine wirklich tolle Straße. Immer schön gleichmäßig 5 bis 6 %. Also nicht wirklich steil. Ganz unten 500 m tiefer im Tal sieht man übrigens die Hauptstraße nach Andorra. Die 5 km auf der waren weniger angenehm…

Das hier ist echt DIE perfekte Kurve. Sowas von ästhetisch und symmetrisch. Unglaublich. Da fährt man ja fast schwerelos hoch vor Begeisterung…oder?

Allerdings bräuchte ich für die Nacht noch mindestens 3 l Wasser. Kochen, Trinken, Kaffee zum Frühstück, Waschen etc. Man merkt, dass ich mich dem warmen Mittelmeerklima nähere. Die Bachläufe sind ausgetrocknet. Kurz vor dem Pass gibt es jedoch noch ein Dorf, und ich verlasse mich darauf, dass es dort, wie immer, einen Brunnen oder Wasserhahn am Eingang gibt…Doch als ich dort ankomme, entpuppt sich das Dorf eher als ein großer Bauernhof mit 2 weiteren Häusern und einer kleinen Kirche….und einen Brunnen gibt es auch nicht…Niemand ist auf der Straße, den ich nach Wasser fragen könnte….Ich verzweifle. Setze mich für 20 Minuten unter den Dorfbaum….aber niemand erscheint. Dann fällt mir ein: Etwa 2 km unterhalb des Dorfes bin ich an einem Haus vorbeigekommen, das gerade neu verputzt wurde….Verputzen geht nur mit Wasser….Also fahre ich die 2 km voller Hoffnung wieder RUNTER! Und tatsächlich: Der vermutlich marokkanische Bautrupp lässt das kostbare Nass aus einem dicken gelben 2-Zoll-Schlauch pausenlos in den Hang laufen. Keine Ahnung warum. Aber mir ist’s Recht. Rasch fülle ich meine 4 Wasserflaschen, und der Abend ist gerettet 😉

Oben am Pass finde ich nach längerem Suchen dann einen ganz passablen Zeltplatz. Hier duftet es herrlich nach Thymian. Zum Essen gibt’s Kartoffelbrei mit Schinkenwürfeln und Käse….fast das letzte, was meine kleine Kühltasche noch zu bieten hat. Aber morgen Nachmittag komme ich ja in Gosol an dem nächsten Laden vorbei und kann dort endlich meine Vorräte auffrischen. So steht es zumindest in meiner Roadmap…..

Tag 13: Repsol meine Rettung

Nach der Übernachtung auf dem Coll d‘ Arrat: Wie jeden Morgen muss der ganze Kram aufs Rad….Das Frühstück bestand heute nur aus Müsli. Brot war ja keines mehr da…..😏Die Nacht war ausgesprochen kalt: Am Morgen zeigte mein Thermometer nur 3 Grad an. Selbst auf 1.300 Meter Höhe hätte ich das im Sommer nicht erwartet…

Zum Glück war der Schlafsack warm genug….

Schon ordentlicher….und gleich kann es losgehen. Erst 400 m runter, und dann wieder 900 m hoch bis zum Col de Josa. Und dahinter wartet dann endlich in Gosol ein kleiner Laden zum Einkaufen.

Wieder eine wundervolle Abfahrt.

Offensichtlich erwarten die hier tatsächlich bald den ersten Schnee…😲. Der Schneepflug steht schon mal bereit.

Zur morgendlichen Abfahrt trage ich lieber mal die warme FleeceJacke..

Diesen lächerlichen Rekord von 30 km/h kann ich bergrunter natürlich überbieten😃. Naja ist ja auch nur ein kleiner „Recordi„…(Im Ernst: Man merkt, dass man in Katalonien ist. Sonst stand da immer „Recuerde“ oder so ähnlich unter den Schildern. So wie in Frankreich „Rappel“…)

Das ist jetzt wirklich das allerletzte Essensaufgebot. Die Wurst wird einfach schier gegessen. Danach wäre nur noch etwas Käse übrig….

Aber zum Sattwerden reichts…

Ich glaube, ich habe 5 Minuten versucht, sie zu überreden, doch mal den Kopf zur Kamera zu drehen….Kühe können echt sowas von Stur sein….

Endlich ist der Col de Josa so gegen 15.30 Uhr erreicht. Hier waren noch nichtmal die Schwaben mit ihrem aufdringlichen Aufkleber🙂. Gleich weiter runtergebraust zum 2 km entfernten Gosol. Doch – oh Schreck – der kleine Laden hat zu. 😵 Er macht erst um 17.00 Uhr auf. So lange will ich nicht warten…..

Also geht es mit leeren Taschen weiter runter, an diesem beeindruckende Berg vorbei, dem Pedraforca. Weiter talabwärts gibt es ein weiteres Dorf, in dem auf meiner Karte ein Bäcker eingetragen ist. Ich fahre extra 50 Höhenmeter dort hinauf, doch ein Mann macht mir klar: Panaderia cerrada, Bäcker zu. So langsam gerate ich in echte Essenspanik. Wer mich kennt, weiß, dass ich vor nicht so viel Angst habe, wie vor einem Hungerast …Doch: Aus dem Haus ruft seine Frau irgendwas von: „Gasolinera“ hinaus…Der Mann wiederholt das Wort und deutet nach unten. Ein Blick in DeepL macht meine Ahnung zur Gewissheit: „Tankstelle“ heißt das….Und wirklich: Nach 2 km taucht sie auf: Repsol, meine Rettung

Denn da gibt es nicht nur Brot, sondern auch noch Kittkatt und Crunch als leidlichen Ersatz für die abendliche Schokolade. Und es wird eine lokale Wurst verkauft, deren Aussehen mich zunächst etwas misstrauisch macht. Aber mangels Alternative schlage ich zu.

Und ich muss sagen: Die Repsol-Wurst wird mein liebster Begleiter für den Rest der Tour….vielleicht eine Spur zu pfefferig, aber sehr lecker und nahrhaft. Außerdem bietet mir der Tankwart noch 2 Croissants vom Vortag für den Preis von einem. Ein Angebot, das ich selbstverständlich nicht ausschlagen kann 😀.

Heute geht’s mal wieder auf einen Campingplatz. Warme Dusche ist dringend von Nöten.

Allerdings erscheint mir die Preisgestaltung mit 43 Euro für ein kleines Zelt, Mensch und Fahrrad doch etwas arg fragwürdig….Aber geschlafen habe ich prima🙂

Tag 14: Kilometer oder Nix!

Das ist Alphonso, den ich heute Morgen auf dem Campingplatz bei Macaners kennengelernt habe. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, macht er eine Rundfahrt um Spanien. Das ganze mit diesem innovativ bepackten Klapprad! Schön, dass es außer mir noch weitere (positiv) Verrückte gibt…..Sein grobes nächstes Ziel: Cabo da Gata. Das Kap liegt bei Almeria. Iris und ich waren dort auf unserer Spanienrundfahrt im letzten Jahr für 4 Tage. Ich habe ihm gleich mal unsere Pizzeria empfohlen….🙂.

Auf dem 43-Euro-Platz wasche ich morgens noch ein paar Shirts und Unterhosen. Nach einer neuen Methode, die ich dem Wandervogel von Tag 2 (der mit demselben Zielort wie ich) abgeschaut habe: Wäsche in einen wasserdichten Sack, Wasser und Waschmittel rein….und dann alles ordentlich durchwalken. Wie Waschmaschine 🙂….

Noch kurz mal bei Pep vorbeigeschaut. Doch es hieß, er sei nicht zu Hause. Macht gerade irgendwas in Mittelengland🙂⚽️⚽️.

Für mich heißt es heute vor allem: Kilometer machen. (Pep würde sagen: Kilometer oder Nix!) Denn 1. ist die heutige Strecke mit den beiden größeren Städten Ripoll und Olot jetzt nicht so nach meinem Geschmack. Und 2. will ich für morgen ein paar Kilometer rausfahren. Denn da werde ich kaum auf mein anvisiertes 50-km-Tagespensum kommen (mehr dazu dann morgen…)

Achdu…..damit hätte ich jetzt gar nicht gerechnet….🙂. Wie ich später rausfand, ist das aber keine Startpiste für Kampfbomber, sondern lediglich eine vergleichsweise harmlose Feuerwehrausfahrt….Klar, Katalanisch ist echt fast Französisch: Pompiers!

….und gleich zum nächsten Kapitell im Katalanisch-Kurs: Schon seit Tagen hatte ich mich gewundert, wieso es hier in fast jedem Ort eine Zementfabrik geben sollte. Doch heute wurde mir klar: Das „Cementiri“ auf den Wegweisern heißt was ganz anderes, nämlich…. Friedhof 🙂. Hätte man drauf kommen können…. Oben auf dem Foto sieht man einen davon. Auffällig ist, dass die oft über einen oder sogar mehrere Kilometer außerhalb der Orte liegen. Und alle sind von einer hohen Mauer umgeben.

Der erste Pass für heute….und der viertletzte meiner Tour. Deshalb die vier Finger…..Ich zähle runter.

Der allererste Esel, den ich unterwegs sehe. Und das im Land von Sancho Pansa! Früher, als ich noch mit Leander unterwegs war, hatten wir für solche Treffen immer ein paar Möhren zum Füttern dabei. Meine letzte hatte ich gestern selber in die Nudesuppe verarbeitet….Armer kleiner Esel….es gab nur ein paar frische Grasbüschel…..Und für mich endlich wieder Kaffee mit Schokokeksen. Mittlerweile war die Ladendichte deutlich höher. Die Verkehrsdichte aber leider auch manchmal.

Stellenweise ging es sogar direkt an einer Autobahn entlang. Ich bin jetzt halt schon in der Nähe von Figeras, Girona und Barcelona. Das merkt man…..

Aber es gab auch weiterhin sehr ruhige Abschnitte. So wie hier am drittletzten Pass oberhalb von Olot. Die Garrotxa (Hinweis auf dem grünen Schild) ist übrigens ein sehr interessantes Vulkangebirge. Das wusste ich vorher nicht. Sonst hätte ich die Strecke noch direkter an den Vulkanen entlang gelegt.

Hier sieht man einige alte Vulkane im Hintergrund. Im Vordergrund wieder: Unsere beliebte spanische Endlos-Leitplanke….

Und noch etwas Straßen-Typisches: Diese seltsamen Gebilde standen unterwegs an fast jedem Pass rum…Ich hielt sie – durchaus passend zu den vielen Zementfabriken 🙂 – zunächst für Betonbehälter, die hier für Straßenbau-Zwecke vorgehalten werden…aber es sind riesige Vorratsbehälter für Streusalz.

Am Abend hatte ich über 80 Tageskilometer geschafft. Zusammen mit den beiden Pässen schon nicht schlecht. Aber morgen sollte dieser „Vorsprung“ wegen einer weiteren, bewusst geplanten heftigen Gravelroute wieder zusammenschmelzen.

Heute Abend ging es dann schon wieder auf einen Zeltplatz. Die dichter besiedelte Gegend ist nichts mehr zum wild Zelten. Und damit schon wieder eine abendliche warme Dusche! Die zweite innerhalb von 2 Tagen….Erstaunlich, was so ein Körper alles aushält🙂🙂

Tag 15: Dänen lügen nicht und eine lauschige Nacht im Olivenhain

Auf Campingplätzen ist es wie im Krankenhaus: Dein Nachbar kann tagsüber noch so nett sein – aber in der Nacht verfluchst du ihn, weil er schnarcht wie ein kanadischer Holzfäller. So war das auch diesmal…..Dafür hat der Platz heute nur 12 Euro gekostet. Und damit weniger als ein Drittel als der von gestern. Dabei war der Standard mindestestens genauso hoch. Das verstehe, wer will…

Heute liegt der vorletzte Streckenabschnitt vor mir. Und es sollte tatsächlich der härteste Tag werden. Fangen wir mal vorne an:

Weil ich also wegen dem Holzfäller nebenan in der Nacht wach lag, hatte ich genügend Zeit, über die heutige Strecke nochmal genau nachzudenken. Ich war ja bereits in der Küstenebene bei Olot angekommen und musste eigentlich nur noch schräg nach Norden durchs Flachland (auf der Karte unten grün…) nach Banyuls radeln. Das hätte schlappe vier Stunden gedauert.

Aber: Wie ich schon gestern schrieb, war die Ebene sehr belebt und dann gab es da noch eine schöne Straße durch die Serra de Cirera. Sie entsprach eigentlich genau meinen Kriterien für diese Tour: Klein, einsam und möglichst nah am Pyrenäen-Hauptkamm. Der einzige Nachteil: Die letzten 400 Höhenmeter des 800 Meter Anstiegs verlaufen auf einer Gravel-Straße. Über deren Zustand konnte ich bei meiner Planung kaum etwas in Erfahrung bringen. Sie war auf der Karte eingezeichnet, aber das sagt ja bekanntlich nicht viel. Der Campingplatzwart und andere Einheimische, die ich fragte, konnten mir nicht wirklich helfen….

Allerdings hatte ich am Vortag ein junges dänisches Paar mit 2 kleinen Kindern auf dem Campingplatz kennengelernt. Sie waren mit einem geliehen „Roadsurfer“-Wohnmobil unterwegs. Das Teil war noch schrottiger als der Roadsurfer, den Iris und ich uns im Juni für 2 Wochen geliehen hatten. Sowas verbindet ja und wir hatten viel Gesprächsstoff… Und ausgerechnet dieser Däne sagte nun, als ich ihm am Morgen von meinen Zweifeln über die Tagesroute berichtete: „Och, diese Straße sind wir vor 5 Jahren mit dem Auto runtergefahren. War alles kein Problem!“ Damit war mein Schicksal besiegelt: Dänen lügen ja bekanntlich nicht. Die Straße wird gefahren….

Und der Beginn war wirklich traumhaft. Es ging durch eine enge Schlucht auf einem recht ordentlichen Betonweg gut voran.

Es gab hübsche Brücken (ohne blöde Leitplanken…🙂)…

Steile Felswände….Doch dann beschlichen mich erste Zweifel an der Aussage des netten Dänen:

Hier will er also mit seinem Auto runtergefahren sein (in echt war der Weg noch viel holpriger und schmaler als es auf diesem Bild scheint…)?Jedenfalls musste ich das Rad ca. 4 Kilometer schieben. Und das bei einer Steigung von etwa 10 %, teilweise durch ziemliches Geröll….puh.

Aber schließlich war ich dann doch oben auf dem Col de Riu angelangt. Dem zweitletzten Pass meiner Tour! Aber einem Dänen glaube ich nie wieder auch nur ein Wort 😀…(Vermutlich hat er die Straße verwechselt..)

Den Abend wollte ich nach dieser Anstrengung gemütlich ausklingen lassen. Schließlich war es meine letzte Nacht, bevor ich in Banyuls ankomme. Da soll natürlich ein ganz besonderer Zeltplatz her…Beispielsweise an diesem Stausee.

Doch leider war der hier auf der Karte eingezeichnet Picnicplatz nicht mehr existent. Und zu allem Übel stellte sich das übliche abendliche Gewitter ein. Also doch auf den nächsten eingezeichnteten Campingplatz….als ich dort gegen 19.30 ankam: Ebenfalls nicht vorhanden…..Die Wirtin eines Biergartens wollte mich in ihrem Toilettenhäuschen übernachten lassen (sofern ich das wirklich richtig verstanden habe..). Ich lehnte vorsichtshalber mal höflich ab…..Das Zelt aufbauen durfte ich auf der Wiese vor dem Häuschen aber auch nicht (falls ich das ebenfalls richtig verstanden habe…)

Also weiter: In 8 Kilometern sollte der nächste Campingplatz sein. Würde ich gerade noch vor dem Dunkelwerden schaffen. Losgedüst wie wild. Das Gewitter war jetzt ebenso wild…mal wieder eimerweise Wasser...egal. Leider konnte ich wegen des Regens die Karte auf dem Bildschirm meines Tabletts nicht mehr bedienen und ablesen. Die Regentropfen haben da ständig den Touchscreen durcheinander gebracht….Schnellstraße in die falsche Richtung…Regen noch wilder…hupende Autos….es wurde dunkler….Endlich tropfnass beim eingezeichnetet Campingplatz angekommen: Einheimischer: „Camping?? No!“ Den gibt es also auch nicht! Verzweiflung…..Mittlerweile irre ich mit eingeschaltetem Licht auf der Landstraße umher. Immerhin hat der Regen aufgehört. Suche irgendeinen Platz. Mir ist alles egal, aber das hier soll bitte, bitte aufhören…Als ich einen Platz erspähe, kommt ein komischer Typ und labert irgendwas auf Spanisch. Ich weiß nicht, was er will, verschwinde aber lieber….Nächster Platz gefunden: Zeltsack schon vom Rad genommen. Doch dann die innere Stimme: „Wirklich auf diesem dreckigen Acker? “ Nein! Zelt wieder festgeschnallt. Weiter, weiter…grüne Wiesen wie in den Bergen gibt es hier einfach nicht mehr. Alles Acker oder irgendwie hohes Unkraut….(hier ein Foto vom nächsten Morgen…)

Dann ein Olivenhain. Ist mir jetzt auch egal…Um 22 Uhr im Dunkeln hier das Zelt aufgebaut. Noch ein wenig an der guten alten Repsol-Wurst geknabbert, und dann nur irgendwie schlafen. Straße nebenan viel befahren. In der Luft der ständige, leichte Geruch nach Schweinegülle. Puh, was für ein lauschiger letzter Abend!

Bitte um Verständnis, dass es von dieser nächtlichen Episode keine Fotos gibt….😀😀. Aber keine Angst: Es wird alles Gut!

Tag 16: Am Mittelmeer

Heute bin ich dann also tatsächlich in Banyuls am Mittelmeer angekommen. Es waren auch nur noch 30 km. Doch zunächst zurück in den Olivenhain, in dem ich gestern in der Dunkelheit noch irgendwie Zuflucht gefunden hatte.

So sah das ganze also bei Helligkeit aus. Gar nicht mal sooo übel. Allerdings verlief 20 Meter entfernt eine Straße und es roch immer noch penetrant nach Schweinegülle. Ein entsprechender bäuerlicher Betrieb war nicht weit entfernt. Kein Platz also, an dem man in Ruhe sein letztes Touren-Frühstück zu sich nehmen möchte. Ich beschränke mich auf einen Riegel Schokolade, packe schnell alles zusammen und radle los.

Hier nochmal ein typisches Foto von der hiesigen Gegend nördlich von Figueras. Da ist es wirklich schwer, ein gemütliches Plätzchen für Zelt und Frühstück zu finden. Auf meiner Roadmap findet sich aber ein Picnicplatz, etwa 10 km von hier, der schon wieder etwas in den Bergen liegt. Den steuere ich jetzt erstmal an.

Puh, ohne Frühstück und nach der nächtlichen Irrfahrt von gestern schon leicht anstrengend…🙂

Vor mir liegt Espolla. Das ist das letzte spanische Dorf, das ich durchquere. Dahinter liegt der Picnicplatz und weitere 10 Kilometer dahinter verläuft die Grenze auf dem Kamm der letzten Pyrenäen-Hügel.

Schließlich ist der Picnicplatz erreicht….und ich kann mich endlich ein bisschen entspannen und durchschnaufen. Koche mir einen Kaffee – und wie groß ist die Freude, als ich in meiner Frühstückstüte auch noch das zweite Croissant von dem Repsol-Mann von vorgestern entdecke! Ich hatte ganz vergessen, dass er mir ja 2 zum Preis für 1 in die Tüte gesteckt hatte. Also dieser Tag beginnt, mir langsam zu gefallen.

Prosit!

Und wenn man ganz genau hinschaut, sieht man von dieser Picnicstelle sogar schon das Mittelmeer! Genauer gesagt den Golf von Roses…etwas links von der riesigen „Fledermaus“, die hier aus der Ebene aufzutauchen scheint. Oder Batman.🙂

Zum letzten Pass, dem Col de Banyuls, sind es dann nur noch 10 Kilometer mit gemütlichen 250 Höhenmetern. Ein freundlicher und sehr interssierter Radler aus Toulouse hat das Bild geschossen. Endlich kann ich mich mal wieder mit den Leuten verständigen…

Blick zurück nach Spanien….Ich setze mich erstmal und erinnere mich an den schönen Ausflug, den Iris und ich hier vor 2 Jahren gemacht hatten.😘

Tja, und nach einem kleinen Imbiss bin ich dann nach Banyuls die letzten 10 Kilometer meiner Pyrenäenquerung runtergerollert. Am Ende sind etwa 850 Kilometer zusammengekommen. Gerne hätte ich eine kleine Cabane auf dem örtlichen Campingplatz gemietetet. Denn ich bleibe jetzt noch 4 Nächte in Banyuls. Dann habe ich Tickets für den Flixbus. Doch leider sind alle Hüttchen belegt.

So fahre ich erstmal weiter zur Strandpromenade, um Fotos zu schießen, als Beweis, dass ich auch wirklich am Mittelmeer angekommen bin.🙂

Die 2 sind mir trotz meiner Warnungen und Grimassen doch glatt in den Selbstauslöser gelatscht….😁😵‍💫. Aber das Meer sieht man ja trotzdem..

Ich miete für die 4 Tage ein kleines Apartment mit Meerblick. Hier muss ich noch einiges an kleineren Arbeiten erledigen. Die Zeit dafür habe ich ja jetzt. Übrigens: Die Flasche Alkohol auf dem Tisch dient einzig und allein als Tablettstütze….ist ohnehin nur Brennspiritus🙂

Insgesamt ist hier nicht mehr allzuviel los. Die Nachsaison beginnt so langsam. Dank an alle, die mich über diesen Blog und per WhatsApp begleitet und angespornt haben. Hat Spaß gemacht. Und so habe ich jetzt gleich auch für mich ein schönes Reisetagebuch geschrieben. Ist ja netter als ein WhatsApp-Status, der sich nach 24 h in Luft auflöst.

Ich befürchtete, dass die Rückfahrt per Flixbus etwas abenteuerlich wird. Das wird meine erste Reise mit denen. Und ich muss das Rad auseinanderbauen und in einem Sack verstauen. Hoffe, die nehmen mich wirklich mit. Ich werde berichten, wie’s gelaufen ist. Bis dann.

Die Rückreise: Mein Rad wird geklaut!

Das hier ist das letzte Foto von meinem treuen Bergamont-Rad….😪. Vor dem Theater in Perpignan. Tja, eigentlich wollte ich euch ja noch einen munteren Bericht über meine Heimfahrt mit Flixbus liefern. Aber leider ist mir die Lust daran vergangen. Beim Umstieg in Lyon ist mir vor einer halben Stunde mein Rad geklaut worden…..

Ich hatte es ja für die Flixbus-Reise teilweise zerlegt, weil ich es als Sperrgepäck transportieren musste.

Anschließend kam es in diesen Transportsack, den ich mir extra für diese Reise angeschafft hatte. Alles lief bestens. In Lyon musste ich um 24 Uhr umsteigen. Der Busbahnhof ist hier in einer etwas dunklen Ecke unter einer Brücke. Ich schleppte das verpackte Rad, Zeltsack und die beiden Packtaschen zu einem Brückenpfeiler und wollte mich erstmal orientieren.

Da sprach mich ein junger Araber an, ob ich wüsste wo hier der Bahnhof ist. Ich verneinte freundlich, das Gespräch hat keine 15 Sekunden gedauert. Und als ich mich wieder zu meinen Sachen umdrehte, konnte ich es nicht glauben: Das Rad war weg! Offensichtlich hatten es 1 oder 2 Kumpanen geschnappt, während ich abgelenkt war und sind damit auf und davon.

Das ganze ist jetzt, wo ich das schreibe, gerade 1/2 Stunde her. Mein Anschluss-Bus nach Saarbrücken geht erst um 2.25 Uhr….

Vermutlich ist das Rad nur geklaut worden, weil es so aufwendig verpackt war und man deshalb nicht sehen konnte, dass es technisch auf dem Stand von vor 20 Jahren war….Mein einziger Trost ist, dass das Rad von meiner Ausrüstung tatsächlich wohl das wertloseste war (Restwert wohl keine 150 Euro)…..Die blöde Bande hätte ja auch Schlafsack und Zelt klauen können. Da wäre der finanzielle Schaden höher gewesen…..

Sehr bedenklich finde ich auch, dass das Ganze sich vor den Augen vieler anderer Leute abgespielt hat. Niemand hat da irgendwie reagiert. Und als ich sie ansprach, mein Rad sei gerade geklaut worden, ob sie was gesehen hätten, waren die Reaktionen so, als ob ich sie gerade um 2 Euro angebettelt hätte. Alle im Ignoriermodus….Das ärgert mich genauso wie der Diebstahl selbst….

So jetzt habe ich mir den Frust von der Seele geschrieben. Gleich geht die Rückfahrt in Lyon weiter…..ohne mein treues Bergamont, mit dem ich ja schon 2014 mit Leander in den Harz gefahren war….es bleiben schöne Erinnerungen.

Warum ausgerechnet das?

Die Idee zu dieser Tour wurde im Oktober 2023 geboren. Und zwar hier.

Das ist Banyuls.. Iris und ich verbrachten hier einen sehr schönen 2-wöchigen frühen Herbsturlaub.

Banyuls liegt in Frankreich. Ziemlich genau dort, wo die Pyrenäen an das Mittelmeer stoßen.

Hier gibt es einen netten Strand….

….und eine nette Strandpromenade.

Und wenn man zum Eis essen auf einer der Bänke saß, hat man viele Wanderer mit Rücksack gesehen, die sehr erschöpft, aber glücklich hier ankamen. Banyuls ist nämlich das östliche Ende eines Wanderweges vom Atlantik zum Mittelmeer über die Pyrenäen – den GR 10.
Da mir diese 850 km zu Fuß dann doch etwas lang erschienen, kam mir die Idee: Das kann man doch auch mit dem Fahrrad machen….😊.

Ohnehin gab es hier unten einige verrückte Radfahrer: Als wir eines Tages die Teufelsbrücke bei Ceret besichtigten (die ist so etwa 30 m über einer Schlucht)…..

…..sahen wir plötzlich diesen jungen Mann auf seinem Rad, wie er auf der schmalen Brüstung der Brücke entlangfuhr….Wahnsinn!

Über ihm schwebte eine filmende Drohne…und der absolute Hammer: Der Typ hatte nur noch ein Bein!. Wie ich später googelte, handelte es sich um Julian Molina einen berühmten BMX-Fahrer aus Kolumbien.

Also: Ich verspreche, ich werde unterwegs keine Stunts an Brückengeländern machen. Hoffentlich wird der Blog trotzdem spannend für Euch 😊.
Und wenn alles gut geht, komme ich am Samstag oder Sonntag (6./7. September 2025) an diesem Schild oberhalb von Banyuls vorbei….

Mit dem Col de Banyuls hätte ich dann den letzten Pyrenäen-Pass vor dem Mittelmeer erreicht – und könnte sanft in den Ort hinunterrollen.
Das ist also mein Ziel. Es wäre schön, wenn ihr mich auf der Reise etwas begleitet….