Tag 15: Dänen lügen nicht und eine lauschige Nacht im Olivenhain

Auf Campingplätzen ist es wie im Krankenhaus: Dein Nachbar kann tagsüber noch so nett sein – aber in der Nacht verfluchst du ihn, weil er schnarcht wie ein kanadischer Holzfäller. So war das auch diesmal…..Dafür hat der Platz heute nur 12 Euro gekostet. Und damit weniger als ein Drittel als der von gestern. Dabei war der Standard mindestestens genauso hoch. Das verstehe, wer will…

Heute liegt der vorletzte Streckenabschnitt vor mir. Und es sollte tatsächlich der härteste Tag werden. Fangen wir mal vorne an:

Weil ich also wegen dem Holzfäller nebenan in der Nacht wach lag, hatte ich genügend Zeit, über die heutige Strecke nochmal genau nachzudenken. Ich war ja bereits in der Küstenebene bei Olot angekommen und musste eigentlich nur noch schräg nach Norden durchs Flachland (auf der Karte unten grün…) nach Banyuls radeln. Das hätte schlappe vier Stunden gedauert.

Aber: Wie ich schon gestern schrieb, war die Ebene sehr belebt und dann gab es da noch eine schöne Straße durch die Serra de Cirera. Sie entsprach eigentlich genau meinen Kriterien für diese Tour: Klein, einsam und möglichst nah am Pyrenäen-Hauptkamm. Der einzige Nachteil: Die letzten 400 Höhenmeter des 800 Meter Anstiegs verlaufen auf einer Gravel-Straße. Über deren Zustand konnte ich bei meiner Planung kaum etwas in Erfahrung bringen. Sie war auf der Karte eingezeichnet, aber das sagt ja bekanntlich nicht viel. Der Campingplatzwart und andere Einheimische, die ich fragte, konnten mir nicht wirklich helfen….

Allerdings hatte ich am Vortag ein junges dänisches Paar mit 2 kleinen Kindern auf dem Campingplatz kennengelernt. Sie waren mit einem geliehen „Roadsurfer“-Wohnmobil unterwegs. Das Teil war noch schrottiger als der Roadsurfer, den Iris und ich uns im Juni für 2 Wochen geliehen hatten. Sowas verbindet ja und wir hatten viel Gesprächsstoff… Und ausgerechnet dieser Däne sagte nun, als ich ihm am Morgen von meinen Zweifeln über die Tagesroute berichtete: „Och, diese Straße sind wir vor 5 Jahren mit dem Auto runtergefahren. War alles kein Problem!“ Damit war mein Schicksal besiegelt: Dänen lügen ja bekanntlich nicht. Die Straße wird gefahren….

Und der Beginn war wirklich traumhaft. Es ging durch eine enge Schlucht auf einem recht ordentlichen Betonweg gut voran.

Es gab hübsche Brücken (ohne blöde Leitplanken…🙂)…

Steile Felswände….Doch dann beschlichen mich erste Zweifel an der Aussage des netten Dänen:

Hier will er also mit seinem Auto runtergefahren sein (in echt war der Weg noch viel holpriger und schmaler als es auf diesem Bild scheint…)?Jedenfalls musste ich das Rad ca. 4 Kilometer schieben. Und das bei einer Steigung von etwa 10 %, teilweise durch ziemliches Geröll….puh.

Aber schließlich war ich dann doch oben auf dem Col de Riu angelangt. Dem zweitletzten Pass meiner Tour! Aber einem Dänen glaube ich nie wieder auch nur ein Wort 😀…(Vermutlich hat er die Straße verwechselt..)

Den Abend wollte ich nach dieser Anstrengung gemütlich ausklingen lassen. Schließlich war es meine letzte Nacht, bevor ich in Banyuls ankomme. Da soll natürlich ein ganz besonderer Zeltplatz her…Beispielsweise an diesem Stausee.

Doch leider war der hier auf der Karte eingezeichnet Picnicplatz nicht mehr existent. Und zu allem Übel stellte sich das übliche abendliche Gewitter ein. Also doch auf den nächsten eingezeichnteten Campingplatz….als ich dort gegen 19.30 ankam: Ebenfalls nicht vorhanden…..Die Wirtin eines Biergartens wollte mich in ihrem Toilettenhäuschen übernachten lassen (sofern ich das wirklich richtig verstanden habe..). Ich lehnte vorsichtshalber mal höflich ab…..Das Zelt aufbauen durfte ich auf der Wiese vor dem Häuschen aber auch nicht (falls ich das ebenfalls richtig verstanden habe…)

Also weiter: In 8 Kilometern sollte der nächste Campingplatz sein. Würde ich gerade noch vor dem Dunkelwerden schaffen. Losgedüst wie wild. Das Gewitter war jetzt ebenso wild…mal wieder eimerweise Wasser...egal. Leider konnte ich wegen des Regens die Karte auf dem Bildschirm meines Tabletts nicht mehr bedienen und ablesen. Die Regentropfen haben da ständig den Touchscreen durcheinander gebracht….Schnellstraße in die falsche Richtung…Regen noch wilder…hupende Autos….es wurde dunkler….Endlich tropfnass beim eingezeichnetet Campingplatz angekommen: Einheimischer: „Camping?? No!“ Den gibt es also auch nicht! Verzweiflung…..Mittlerweile irre ich mit eingeschaltetem Licht auf der Landstraße umher. Immerhin hat der Regen aufgehört. Suche irgendeinen Platz. Mir ist alles egal, aber das hier soll bitte, bitte aufhören…Als ich einen Platz erspähe, kommt ein komischer Typ und labert irgendwas auf Spanisch. Ich weiß nicht, was er will, verschwinde aber lieber….Nächster Platz gefunden: Zeltsack schon vom Rad genommen. Doch dann die innere Stimme: „Wirklich auf diesem dreckigen Acker? “ Nein! Zelt wieder festgeschnallt. Weiter, weiter…grüne Wiesen wie in den Bergen gibt es hier einfach nicht mehr. Alles Acker oder irgendwie hohes Unkraut….(hier ein Foto vom nächsten Morgen…)

Dann ein Olivenhain. Ist mir jetzt auch egal…Um 22 Uhr im Dunkeln hier das Zelt aufgebaut. Noch ein wenig an der guten alten Repsol-Wurst geknabbert, und dann nur irgendwie schlafen. Straße nebenan viel befahren. In der Luft der ständige, leichte Geruch nach Schweinegülle. Puh, was für ein lauschiger letzter Abend!

Bitte um Verständnis, dass es von dieser nächtlichen Episode keine Fotos gibt….😀😀. Aber keine Angst: Es wird alles Gut!

3 Gedanken zu „Tag 15: Dänen lügen nicht und eine lauschige Nacht im Olivenhain

  1. Halte durch. Wir drücken Dir ganz fest dieDaumen. Denk an die Sonne von Marokko. Das wärmt etwas. Bleib weiter positiv verrückt. Und jetzt angenehme Träume.

  2. Oh, mein Gott, das hörte sich ja wirklich schlimm an , aber wir wissen ja , dass am Ende alles gut gegangen ist .
    Liebe Grüße Helga

Die Kommentare sind geschlossen.