
Nein, ich bin nicht in der Toskana gelandet…. das hier ist die Wiese auf etwa 1600 m Höhe, auf der ich vergangene Nacht in letzter Verzweiflung mein Zelt aufgebaut habe. Naja, so schlecht ist die Aussicht nicht. Vor allem mit dem Restnebel des nächtlichen Gewitters sehr malerisch…🙂

Und das Beste: Vor mir liegt eine Abfahrt von 30 Kilometern Länge! Selbst für einen Bergauf-Liebhaber wie mich verspricht das ein echter Leckerbissen zu werden.

Tatsächlich werde ich nicht enttäuscht. Unterwegs eröffnen sich immer wieder atemberaubende Ausblicke und es geht durch diverse Schluchten.

Unten muss ich mich von diesem Wahnsinnsritt, um nicht zu sagen Walkürenritt🙂, erstmal erholen….

Mein Zeltplatz lag etwa 4 km vor dem Ort Taus…
Allerdings habe ich mittlerweile ein echtes Essensproblem. In meiner Roadmap hatte ich mir während der Planung extra den letzten Laden für die folgenden 130 km eingetragen.

Dumm ist dann nur, wenn man unterwegs den entsprechenden Infopunkt n der Map nicht anklickt….Also bin ich an diesem Laden gestern achtlos vorbeigefahren. Er lag auch nicht direkt auf der Route, sodass ich nicht automatisch dran vorbeikam. Ich hätte ihn extra ansteuern müssen.

Somit fällt das Mittagessen etwas kärglich aus. Im Bild mein letztes Stück Brot für die nächsten 2 Tage🥴. Außerdem fehlen Kekse, Schokolade, Croissants, Apfelsaft, Trockenfrüchte…kurzum alles, was eine Radtour erst so richtig zum Vergnügen macht. Andererseits: Verhungern werde ich sicher nicht. Zur Not koche ich mir Mittags Nudelsuppe😀.
Dabei könnte ich ein paar Extrakalorien durchaus vertragen. Denn nach meiner 30 km Abfahrt folgt gleich der nächste 21 km Anstieg.

Und zwar so einer, wie ich ihn liebe… Mit ordentlich Serpentinen. OK, es sind nicht die unglaublichen 46 Schleifen, wie am Tende-Pass, den ich vor fast genau einem Jahr gefahren bin….aber immerhin 17.

Hier sieht man die schönen Kurven auch in echt im Hang liegen….Eine wirklich tolle Straße. Immer schön gleichmäßig 5 bis 6 %. Also nicht wirklich steil. Ganz unten 500 m tiefer im Tal sieht man übrigens die Hauptstraße nach Andorra. Die 5 km auf der waren weniger angenehm…

Das hier ist echt DIE perfekte Kurve. Sowas von ästhetisch und symmetrisch. Unglaublich. Da fährt man ja fast schwerelos hoch vor Begeisterung…oder?
Allerdings bräuchte ich für die Nacht noch mindestens 3 l Wasser. Kochen, Trinken, Kaffee zum Frühstück, Waschen etc. Man merkt, dass ich mich dem warmen Mittelmeerklima nähere. Die Bachläufe sind ausgetrocknet. Kurz vor dem Pass gibt es jedoch noch ein Dorf, und ich verlasse mich darauf, dass es dort, wie immer, einen Brunnen oder Wasserhahn am Eingang gibt…Doch als ich dort ankomme, entpuppt sich das Dorf eher als ein großer Bauernhof mit 2 weiteren Häusern und einer kleinen Kirche….und einen Brunnen gibt es auch nicht…Niemand ist auf der Straße, den ich nach Wasser fragen könnte….Ich verzweifle. Setze mich für 20 Minuten unter den Dorfbaum….aber niemand erscheint. Dann fällt mir ein: Etwa 2 km unterhalb des Dorfes bin ich an einem Haus vorbeigekommen, das gerade neu verputzt wurde….Verputzen geht nur mit Wasser….Also fahre ich die 2 km voller Hoffnung wieder RUNTER! Und tatsächlich: Der vermutlich marokkanische Bautrupp lässt das kostbare Nass aus einem dicken gelben 2-Zoll-Schlauch pausenlos in den Hang laufen. Keine Ahnung warum. Aber mir ist’s Recht. Rasch fülle ich meine 4 Wasserflaschen, und der Abend ist gerettet 😉

Oben am Pass finde ich nach längerem Suchen dann einen ganz passablen Zeltplatz. Hier duftet es herrlich nach Thymian. Zum Essen gibt’s Kartoffelbrei mit Schinkenwürfeln und Käse….fast das letzte, was meine kleine Kühltasche noch zu bieten hat. Aber morgen Nachmittag komme ich ja in Gosol an dem nächsten Laden vorbei und kann dort endlich meine Vorräte auffrischen. So steht es zumindest in meiner Roadmap…..
Hi Uli,
wahrscheinlich wirst du jetzt strahlenden Sonnenschein haben, denn der Regen ist wohl heute im Saarland gelandet. Während du dich in den spanischen Bergen herum treibst, waren Gabi und ich Völklingen.
Gruß und weiterhin eine gute Tour.
Michael
Das hat leider nicht so ganz geklappt. 😀. Es hat auch hier nochmal ordentlich runtergeschüttet. Ist aber zum Glück meist nach einer Stunde vorbei….Ja schade, wenn ihr das nächste Mal im Saarland seid – und ich gerade mal nicht radfahre – seid ihr herzlich eingeladen!