Tag 14: Und morgens grüßt das Murmeltier

Von meinem mit größter Sorgfalt ausgewählten Zeltplatz warenn es nur noch ca. 600 Höhenmeter bis hoch zum Col de la Bonette. Da blieb also genügend Zeit, um den Tag ruhig anzugehen und diesen letzten, landschaftlich wirklich tollen Anstieg zu genießen.

Als erstes machte ich mich auf die Jagd – auf Murmeltier-Foto-Jagd. Etwa 20 m hinter meinem Zelt gab es einen Murmeltierbau. Und ich legte mich auf die Lauer. Geschlagene 20 Minuten wartete ich. Gerne hätte ich mein Murmli aus der Nähe abgelichtet, wie es aus seinem Gang lugt. Doch alles Gutzureden half nichts….erst als ich wieder am Zelt war und meine Sachen packte, hoppelte es über die Wiese. Da konnte ich nur noch obiges Foto aus der Ferne schießen….

Hier ein Bild des Baues. Es ist schon erstaunlich, welche Erd- und Geröllmassen diese kleinen Tierchen beim Graben so bewegen. Ich hatte erst gedacht, hier hätte jemand einen Kleinlaster mit Steinen auf die Wiese gekippt….

Bis zum Pass waren es jetzt noch 7 km. Die Steigung war teilweise über 9 %, aber es ließ sich alles ganz entspannt hochkurbeln. Mein heutiges Ziel ist St. Etienne de Tinée, etwa 25 km unterhalb des Passes. Der dortige Zeltplatz ist mein absoluter Lieblingsplatz – ich war schon 2-mal dort.

Selbstverständlich sind auch heute Morgen schon viele Radler hier oben unterwegs – obwohl es wochentags ist. Auch meine ganz speziellen Freunde – die Motorradfahrer – sind schon wach….

Kurz vor dem Col überquere ich dann noch die Grenze zum Mercantour-Nationalpark.

Ab 2700 m ist das hier nur noch eine Art Schotterwüste. Aber sehr beeindruckend. Der Col de la Bonette ist so en wenig mein „Schicksalsberg„. Mit dem Rad war ich jetzt schon zum 4. Mal hier in der Gegend. Das 1. mal 2019 zusammen mit Leander. Das zweite Mal dann 2022 alleine. Und da musste ich meine Tour abbrechen, weil mein Vorhofflimmern zu stark war. Damals war ich aber mit dem Auto den Col noch hochgefahren und hatte dort einen Stein versteckt – mit dem festen Vorsatz: Wenn ich wieder gesund bin, hole ich mir diesen Stein mit dem Fahrrad hier oben nochmal ab. Und das war dann tatschlich zwei Jahre später 2024 soweit. Dank einer kleinen OP kann ich seitdem gottseidank wieder ordentlich in die Pedale treten (allerdings war der Stein verschwunden….aber das war nur nebensächlich…)

Auch dieses Mal verstecke ich an „meiner“ Stelle wieder einen Stein. Wer weiß, vielleicht komme ich ja irgendwann nochmal hier oben vorbei.🙂

Hier der Gedenkstein für den Erbauer dieser Straße. Sie wurde in den 60er Jahren extra noch in einer Schleife um den Berg herumgehführt, damit sie auch wirklich die höchste Straße Europas wird. Der eigentliche Col ist nämlich schon 100 m weiter unten….

Hier oben herrscht ziemlicher Andrang. Jede Menge Radfahrer, Motorradfahrer und irgendwelche Sportwagen drängeln sich auf der schmalen Straße. Einen Parkplatz gibt es nicht.

Mit „Contemplation“ und „Silence“ – wie es auf dem Sockel des Denkmals angemahnt wird – ist es nicht weit her.

Da ich ja heute Zeit habe, schließe ich mein Fahrrad ab und erklimme auf einem kleinen Fußweg die letzten 50 Höhnmeter zu Fuß auf den Gipfel des Cime de la Bonette. Von hier oben hat man einen herrlichen Ausblick auf die gesamten Seealpen. Das Meer sieht man allerdings noch nicht.

Und dieses Mal habe ich dran gedacht, auch mal 2 Aufkleber mitzunehmen, die ich am Höhepunkt der Tour irgendwo dranpappen kann. An diesem Verkehrsschild an der Abzweigung der Gipfelschleife finde ich noch eine freie Fläche.

Beide hatte ich am 3. Oktober beim letzten Deutschlandfest in Saarbrücken extra an irgendwelchen Ständen abgegriffen. Der obere soll übrigens unser Saarland darstellen – also ich schreibs mal dabei, weil das merkt sonst sicher niemand 🙂

Und das ist der Blick vom Col runter auf die andere Seite in das Tinée-Tal – mit der Strecke, die jetzt vor mir liegt. Von hier sind es noch ca. 120 km bis Nizza – und die geht es von 2.800 auf 0 Meter herab. Was für eine Abfahrt….

An dieser Stelle hatte ich 2024 meinen Geburtstagskaffee getrunken (plus Kuchen selbstverständlich). Damals war ich an diesem Tag hier hochngefahren – auf der Suche nach dem versteckten Stein. Eigentlich wollte ich hier jetzt picknicken. Doch es fängt an zu donnern und dunkle Wolken ziehen auf. Da fahre ich lieber noch ein Stückchen weiter runter.

Etwa auf 2200 m Höhe stehen die Ruinen alter Kasernengebäude, die vor ca. 150 Jahren zur Verteidigung gegen Italien hier gebaut wurden.

Da finde ich ein kleines Dach, unter dem ich im Trocknen etwas essen kann und mich vor dem jetzt einsetzenden Regen schützen kann. Doch leider hört der nicht mehr auf, sodass ich jetzt tatsächlich die schöne Abfahrt nach St. Etienne im Regen absolvieren muss. Daher gibts keine Bilder davon….

In St Etienne de Tinée habe ich drei Nächte auf meinem Lieblingscampingplatz reserviert. Er ist nur für Wanderer und Radtouristen. Autos und Motorräder müssen draußen bleiben. Es gibt auch nur 20 Stellplätze und die Anlage ist sehr nett angelegt und wird von den städtischen Mitarbeitern liebvoll gepflegt. Das ist genau der richtige Ort, um sich hier von den Strapazen der letzten beiden Wochen zu erholen – und um sich auf die letzten knapp 100 km bis Nizza vorzubereiten. Im Radio verfolge ich in der Nacht das WM-Spiel gegen Paraguay…..nun ja, da lag ich mit dem Schreckgespenst von Winston-Salem, das ich am ersten Tag (der Geist von Spiez), heraufbeschworen hatte, ja ziemlich richtig🙂

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