
Das ist der schmucke Bahnhof von Nizza und hier fährt um 19.00 Uhr mein Nachtzug nach Paris ab. Ich war ja schon am frühen Nachmittag in Nizza und habe mir einfach Zeit gelassen – an der Promenade rumgessen, gemütlich Kaffee geschlürft und Eis gegessen. Gegen 17 Uhr bin ich dann zu Bahnhof geradelt – eher um mich ein wenig zu orientieren und mich dann in aller Ruhe mit Reiseproviant zu versorgen. Eher zufällig schaue ich dabei mal in meine App der SNCF – also der französischen Bahn. Und sofort fühle ich mich nach Deutschland gebeamt: Da steht: Zug annuliert! Oh nein!
Auskunftspersonal ist nicht vorhanden, aber irgendwie finde ich heraus, dass der Nachtzg heute ausnahmsweise erst ab Marseille fährt – und nicht ab Nizza. Und ich müsse erst mit einem normalen Regionalzug nach Marseille. Und der letzte, der für mich in Frage kommt, fährt in 20 Minuten…..Jetzt bricht Hektik aus. Mit meinem Ticket komme ich nicht auf den Bahnsteig – der Scanner weigert sich, das Tor zu öffnen. Überall Gedränge und ich mit meinem voll bepacktem Rad mitten drin…..Als ich einen Notknopf drücke meldet sich eine französische Stimme, die ich bei dem Lärm aber nicht verstehe. Immerhin geht dann neben mir ein Tor auf, aber da drängen sich gleich dutzende von Leuten durch – mit meinem Rad hab ich keine Chance…..Tor geht wieder zu….nochmal Knopf drücken….Stimme wundert sich….macht nochmal auf…..wieder nur Gedränge…..nun ja beim 3. mal Notknopf komme ich dann irgendwie tatsächlich durchs Tor…..und letzlich auch gerade noch so in den richtigen Zug. Zum Glück ist das Radabteil noch nicht belegt, denn reserviert habe ich für den ja nichts…..

Und so komme ich – nach 3 Stunden Fahrt – noch zu einem abendlichen Abstecher nach Marseille. Ganz nett, aber ich hätte gerne drauf verzichtet. Um 22.30 fährt dann hier endlich mein Nachtzug los.

Ich habe ein Schlafwagenabteil gebucht, in das eigentlich 6 Personen passen. Doch zu meinem großen Glück bin ich hier ganz allein. Das verspricht eine ruhige Nacht. Gegen 9.30 morgens ist der Zug dann in Paris-Bercy.

Jeder Fahrgast des Intercité de Nuit erhält von der SNCF ein Beutelchen u.a. mit Nachtbrille, Ohrenstöpseln und kaubarer Zahnpasta. Plus eine Flasche Wasser. Sehr nett. Ansonsten ist der Zug wohl aus den 80er Jahren. Die Toiletten entleeert man noch per Klappe direkt ins Gleisbett🙂. Schon lange nicht mehr gesehen. Insgesamt eine tolle Erfahrung. Eigentlich war ich nur auf diesen Zug gestoßen, weil im normalen TGV schon alle Radplätze ausgebucht waren. Im Nachtzug gab es dagegen noch welche.

In Paris habe ich 4 Stunden Wartezeit und von dort geht es dann um 14 Uhr per Flixbus nach Saarbrücken. Ankunft: 20.30….

…..gerade noch rechtzeitig, um in Saarbrücken noch den letzten Zug nach Niederwürzbach zu erwischen. Läuft ja alles perfekt!

Dann muss ich mich nur noch den letzten Berg dieser Radtour hinaufquälen: den Biesinger Berg, an dem unser Haus steht. Der muss sich, was die Steigung angeht, keinesfalls hinter Alpenpässen verbergen. Und bei der mangelnden Unterhaltung der Teerdecke wird es bestimmt nicht mehr lange dauern, bis ich meinen eigenen Gravel-Pass direkt vor dem Haus habe 🙂

Oben werde ich dann von meiner lieben Familie schon freudig erwartet. Es ist schön, wieder zu Hause zu sein. Und es war mal wieder ein kleines Abenteuer, mit dem Rad unterwegs zu sein.
Herzlchen Dank allen, die mich auf diesem Blog begleitet haben. Ihr wart großartig und es war mir eine große Freude, euch an meinen kleinen Erlebnissen teilhaben zu lassen. So bin ich selbst auf einer Solo-Radtour nie allein. Schön!



















































































































































































