
Mein Campingplatz von heute Nacht liegt in St Paul sur Ubaye. Das Tal der Ubaye ist noch sehr ursprünglich und war wohl so bis in die 50er Jahre über Straßen nur schlecht erreichbar. Hier ist immer noch alles eine Nummer kleiner und deshalb sehr sympathisch.

Das Ubaye-Tal fahre ich hinunter bis Jausiers. Hier gibt es einen kleinen Proxy-Supermarkt und einen tollen Bäcker (der Nuss-Brownie ist unübertrefflich). Ich decke mich für 2 Tage ein….und mache im kleinen Stadtpark erstmal eine lange Mittagspause – allerdings nicht in diesem XXL-Liegestuhl🙂. Den nächsten – und für diese Tour letzten – Pass will ich nicht unbedingt in der heißen Tagesmitte angehen. Ich liege gut im Plan (vor allem, weil ich gestern auf den Col de Parpaillon verzichtet habe) und muss nicht hetzen. Auch etwas Arbeit ist zu erledigen.

In Jausiers steht dieser Wegweiser: Nur noch 143 km bis Nizza. Und 120 davon geht’s bergab.

Gegen 14.30 Uhr mache ich mich dann doch auf den Weg Richtung Col de la Bonette. Wie dieses Monument verrät, gehts auf 2.800 m hoch. Ich gehe mal davon aus, dass der Bildhauer bei der Angabe zur Steigung (Pente) das Komma vergessen hat und es keine 66 % sind🙂

Der Col de la Bonette ist die höchste Pass-Straße Europas. Ich bin diese Seite vor 2 Jahren heruntergefahren und weiß daher, dass die kommenden 19 Bergauf-Kilometer zu den schönsten dieser Tour gehören werden. Ich freue mich drauf.

Und am Straßenrand stehen sie dann endlich: Echte Postkutschen-Pferde. Aber ich sattle nicht um. Diesen Pass schaffe ich aus eigener Kraft und ohne zu schieben🙂. Aber dieses Fliegengitter des vorderen Gauls könnte ich mir eventuell mal ausleihen…Wenn man so in der Hitze nach oben fährt, dann kann man sich vor Fliegen kaum retten. Oft singe ich – frei nach Zara Leander – in mich hinein: „Fliegen umschwirrn mich, wie Motten das Licht, nur weil ich schwitze – doch dafür kann ich nichts!“ Aber noch schlimmer sind die Bremsen, die mich am meisten an den schwarzen Socken beißen.

Unterwegs dann mal wieder DIE perfekte Serpentine. Eine wohlproportionierte, symmetrische Kurve, die sich auch berghoch fast von selbst fährt…..

Je höher man kommt, desto alpiner wird’s. Unten im Ubaye-Tal war es noch fast provenzalisch (tatsächlich zählt das Ubaye noch zur Provence – und nicht zur Dauphiné).

Pogi Pogacar war wohl auch schon da. Bestimmt mit weniger Gepäck und Gebäck 🙂 (den Brownie aus Jausiers hebe ich mir für morgen auf…..)

Obwohl ich erst so spät losgefahren bin, habe ich die 2.000-Meter-Marke schon lange hinter mir gelassen. Wird Zeit für einen Zeltplatz….aber ich kann mich mal wieder schwer entscheiden. Es könnte ja sein, dass hinter der nächsten Kurve noch ein besserer kommt. Schwierig. Mein langjähriger Radbegleiter, Leander, wird jetzt sicher immer noch genervt mit den Augen rollen. Aber ein Zeltplatz MUSS perfekt sein. (Picnicplätze übrigens auch🙂)

Und so wird es schließlich dieser Platz hier auf ca. 2.300 m Höhe. Nicht der schlechteste, wie ich finde. Ich weiß, dass kurze Zeit später noch ein Top- Platz mit Picnictischen und einem kleinen See gekommen wäre. Doch mich haben jetzt in den Abendstunden diverse Wohnmobile überholt. Und ich bin sicher, dass die sich genau dort breitmachen…

Hier der Beweis: Der See am nächsten Morgen. Da war meine Entscheidung goldrichtig. So hatte ich meine eigene, ruhige kleine Wiese…..wenn auch ohne See…..

Allerdings standen hier oben überall diese kleine, extrem stacheligen Disteln. Ich befürchtete, die könnten sich durch den Zeltboden drücken und meine Luftmatratze durchlöchern. Zur Sicherheit lege ich alles unter die Matte, was die Packtaschen hergeben, sogar die leeren Taschen selber. Ich habe Glück: Am nächsten Morgen ist die Luft noch drin🙂































































































































