
Das also ist mein Ziel für heute: Der Col de Izoard. Und so fing der Tag an:

Mein wirklich unglaublich weitläufiger Campinglatz liegt am Ende des Clarée-Tals. Dieses zieht sich quasi direkt an der Grenze zu Italien fast 30 km lang nach Süden. Es ist gewissermaßen eine Sackgasse, da es an seinem Ende keinen Straßen-Pass gibt. Das ist auf jeden Fall die einsamste und ursprünglichse Gegend, durch die ich bis jetzt auf dieser Tour gekommen bin. Eventuell auch ein Tipp für ruhige Wander-Urlaube…

Ganz in der Nähe des Campingplatzes mündet die Durance in die Clarée. Die Durance ist der größte Fluss in der Provence. Aber das ist eine riesige Ungerechtigkeit: Dieser hier noch so kleine Popelbach darf seinen Namen behalten, obwohl die Clarée hier schon eher so groß ist wie die Saar. Das wäre ja so, als wenn die „Saar“ ab Saarbrücken als „Sulzbach“ weiter fließen würde…

Jetzt geht es also das „Durance-Tal“ weiter nach Briancon. EIner alten Festungsstadt an der italienischen Grenze. Erbaut wurde sie von keinem anderen als…..

….als Monsieur Vauban. Also mal ehrich, kann man das noch glauben? Wenn man in Frankreich irgendwo auf eine alte Festung stößt, so aus dem 17. Jahrhundert, dann hatte der seine Finger im Spiel. Auch Saarlouis hat er gebaut. Der Typ war offensichlich ein Festungs-ADHSler. Oder er hatte so eine Art Ikea-Festungs-Bausatz entwickelt – quasi den Vorläufer des Billy-Regals.

Direkt hinter der Vauban-Stadt Briançon geht es dann den nächsten Pass hinauf. Auch er bekannt von vielen Tour-de-France-Etappen: Col de Izoard. Das bedeutet von 1200 m gehts hoch auf etwa 2400 m. Mal kein Gravel, aber davon habe ich nach der Aktion mit meinen Schutzengeln gestern jetzt auch erstmal genug.

Auf dem Weg nach oben liegt dieser Ort mit lustigem Namen: Le Laus….Außerdem werde ich begleitet von einer Gruppe von etwa 300 Rennradfahrern, die eine gebuchte Pässe-Route von Albertville nach Cannes abfahren. Für sie steht heute ebenfalls der Izoard auf dem Programm. Ihr Hotel-Gepäck wird natürlich transporiert und alle überholen mich nach und nach. Das ist sehr unterhaltsam. Einer überholt mich und mein lakonisch: „Tu as une belle maison!“ – ich fahre also ein ganz hübsches Haus mit mir herum…🙂. Mit von der Partie sind Radler echt jeden Alters und auffällig viele Frauen (wohl fast ein Drittel). Rennradlerinnen sind ja in Deutschland eher Exoten.

In Le Laus stehen eigentlichn nur 5 bis 6 Häuser. Aber alle sind echt spektakuläre riesige Bauten aus Bruchstein und dicken Holzbalken. Also ganz so imposant ist mein „Haus“ auf dem Gepäckträger dann aber doch nicht….

Gegen 18 Uhr bin ich dann oben auf dem Izoard angekommen. Das „Bravo“ einer Motoradfahrerin ignoriere ich gekonnt. Ich nehme gerne Lob entgegen, aber auf die Motoradleute bin ich in der Masse echt nicht gut zu sprechen. Sie halbieren etwa die Freude am Passfahren. Jeder einzelne mag ja ein netter Kerl sein….

Kurz unterhalb des Cols schlage ich mein Nachtlager auf. So ab 19 Uhr lässt dann auch der Motorradlärm nach. Aber manche Radler sind noch unterwegs. Sie können mein Zelt von der Straße aus nicht sehen und fühlen sich wohl allein. Jedenfalls stürzen sich viele Radler aus voller Kehle singend in die rasende Abfahrt vom Izoard ins Tal hinunter. Ich kann diese Freude gut nachvollziehen: Der Izoard ist von beiden Seiten echt ein toller Pass.
Grüß mir den izoard. Vor einigen Jahren stand ich bei Schneeregen auch mal dort oben und musste auf der Abfaht zurück nach Embrun gerettet werden. Weiterhin viel Glück und Spaß auf Deiner großen Tour!!!
Ja, an deine Geschichte hatte ich mich auch erinnert…Also kalt war mir da oben diesmal nicht🙂