Tag 10: Ich treffe 2 unglaubliche Schutzengel

Das hier ist der Ausblick aus meinem Zelt am Morgen. Der Lac liegt blau und ruhig. Und die Regenwolken haben sich verzogen. Eigentlich will man ja so einen schönen Platz gar nicht verlassen. Aber so ab 9 Uhr kommen dann doch die ersten Wanderer hier oben an.

Also packe ich meine 77 Sachen und mache mich auf die Weiterreise. Hier sieht man unten am Ufer noch meinen Zeltplatz und oben kommt der Weg vom Col de Rochilles herab.

Hier oben gibt es noch 2 weitere Seen, die ebnfalls wunderschön blau sind. Allerdings: Der Weg lässt immer mehr zu Wünschen übrig…..

Da muss ich wohl mal wieder zu meiner neuen Hauptbeschäftigung übergehen: Schieben, Schieben, Schieben.…🙂

Doch bald war dann auch das Schieben nicht mehr möglich. Der Weg führte bestimmt 7-mal durch solche Furten oder x-mal über den blanken Fels. Da musste ich wieder erstmal das Gepäck irgendwie durchtragen und dann wieder zurück und das Rad holen. Sehr mühsam!

Ich bin mit meinen Kräften und den Nerven echt am Ende. Mir war bei der Vorbereitung durchaus klar, dass es hier schwierige Passagen geben wird, wo ich das Rad und Gepäck vereinzelt tragen muss. Aber in dieser Masse und auf dieser Länge…immerhin wurde der Weg auf „La Grande Routes des Alpes-Gravel“ empfohlen. Da erwarte ich dann schon einen halbwes fahrbahren Weg. Aber hier käme man selbst mit dem Mountainbike nicht ohne Tragen vorwärts: Insgesamt brauche ich für die 300 Höhenmeter vom Zeltplatz bis zum fahrbahren Weg geschlagene 5 Stunden!

….und es hätte sicherlich noch viel länger gedauert, wenn ich nicht diese beiden wundervollen Menschen unterwegs getroffen hätte: Erick (hier links) und Michel (hier rechts). Die beiden sind wirklich unglaublich. Wie fast alle Franzosen, die mir begegnen, haben sie ein freundliches Wort für mich. Aber die beiden übertreffen alles: Kurzherhand schnappen sie sich meine Packtaschen und helfen mir auch beim weiteren Abstieg beim schwierigen Transport von Rad und Ausrüstung.“À l’amitié franco-allemande!„!, wie sie sagen. Ich bin sprachlos und nenne sie meine beiden Schutzengel. Merci Michel et Erick !

Doch damit nicht genug: Am Ende der schwierigen Passage steht eine Almhütte, in der mich Michel und Erick zu einem kleinen Essen einladen! Eigentlich wäre ja ICH ihnen zu Dank verpflichtet. Beide sind pensionierte Lehrer und alte Freunde, die sich für eine Woche ohne ihre Familien hier eine gemeinsame Zeit gönnen. Sie waren mit ihren E-Bikes bis zu dieser Berghütte hochgefahren und hatten dann eine kleine Wanderung gemacht – wo sie dann auf den verzweifelten „Ülrisch“ trafen….

Den weiteren Weg von der Hütte (hier im Hintergrund) legen wir dann ein gutes Stück gemeinsam zurück. Erick vorweg und Michel hinter mir – eben 2 wirkliche Schutzengel! Da kann mir nichts passieren.

Erick hat sogar noch ein kleines Video von mir gedreht, wie ich über die Steine holpere 🙂. Wir haben unsere Telefonnummern ausgetauscht und Erick hat mir hinterher Bilder geschickt. Gerade als ich (einige Tage später) diese Zeilen tippte rief mich Michel an und wollte wissen, wie es mir geht und ob alles in Ordung ist. Und wir sollen uns unbedingt melden, wenn wir in der Nähe sind. Beide wohnen in der Umgebung von Paris und Erick zum Teil in den Pyrenäen…..zwei wundervolle Schutzengel!

Den Tag beende ich nach insgesamt nur maximal 25 gefahrenen Kilometern auf diesem extrem weitläufigen Campingplatz in Les Alberts. Ich bin müde.😴

8 Gedanken zu „Tag 10: Ich treffe 2 unglaubliche Schutzengel

  1. Wer solche Routen fährt ist meistens mit sehr leichtem Gepäck oder besser mit organisiertem Gepäcktransport und Hüttenübernachtung unterwegs. Du hast dir da eine schöne Herausforderung vorgenommen. Ich wünsche dir auch für den weiteren Verlauf viel Glück.

  2. Mensch Uli, du hast dir ja wirklich eine nervenaufreibende Tour ausgesucht! Ich wünsche dir, dass es die restlichen Tage ein bisschen leichter geht. Die Fotos sind super. Viele Grüße aus Bietschied!

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